Wir haben aufgrund einer Leser-Nachfrage mal für Sie recherchiert, wie Sie sich denn ganz konkret einen Amstaff anschaffen, wenn Sie in Koblenz leben. Diese Vorgehenseweise gilt natürlich für ganz Rheinland-Pfalz. Im Folgenden nochmal eine Übersicht über die gesetzlichen Anforderungen und Ihre ersten Schritte. Das Ordnungsamt in Koblenz und der Pressesprecher des Landkreises Birkenfeld standen uns hierfür als Ansprechpartner zur Verfügung.

Gesetzliche Anforderungen an Listenhunde in Rheinland-Pfalz

Listenhunde wie z.B. der American Staffordshire Terrier gelten in Rheinland-Pfalz als "Kategorie 1 – unwiderleglich gefährliche Rassen". Das bedeutet für Sie:

  1. Zucht, Vermehrung und Handel mit diesem Hund sind verboten.
  2. Sie müssen bei der zuständigen Behörde eine Erlaubnis zur Haltung beantragen. Hierfür benötigen Sie: Führungszeugnis, Sachkundeprüfung, Volljährigkeit und Haftpflichtversicherung. Außerdem müssen Sie ein berechtigtes Interesse nachweisen.
  3. Der Hund muss gechipt sein und das Chippen muss vom Tierarzt schriftlich bescheinigt werden. Die Unfruchtbarmachung (Kastration) des Hundes kann angeordnet werden und wird z.B. von der Stadt Koblenz verlangt.
  4. Wenn Sie den Hund länger als 4 Wochen einem Bekannten oder sonstiger anderer Person überlassen wollen, weil Sie z.B. 4 Wochen lang in Urlaub fahren, muss die zuständige Behörde informiert werden. Wenn Sie umziehen oder der Hund entlaufen ist, muss ebenfalls die zuständige Behörde informiert werden.
  5. Sie müssen den Hund ausbruchssicher unterbringen und dürfen nicht gleichzeitig weitere Hunde führen, wenn Sie mit Ihrem Hund Gassi gehen. Es besteht Maulkorb- und Leinenpflicht beim Gassi gehen, und zwar ab Ihrer Wohnungstür (Ausnahmen vom Maulkorbzwang sind möglich).

Wer ist mein Ansprechpartner?

Ordnungsamt Koblenz

  • Ludwig-Erhard-Straße 2
  • 56073 Koblenz
  • 0261 129 4602
  • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die zuständige Behörde nach dem Landesgesetz über gefährliche Hunde (§ 12 LHundG) ist Ihre örtliche Ordnungsbehörde. Hier finden Sie kompetente Ansprechpartner, die mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen können. Ihre Unterlagen reichen Sie ebenfalls beim Ordnungsamt ein.

Was bedeutet berechtigtes Interesse?

Eine besondere Herausforderung ist wohl der Nachweis über das "berechtigte Interesse". Sprechen Sie unbedingt im Voraus mit Ihrem Ansprechpartner über die Anschaffung des Hundes und besprechen Sie mit ihm das weitere Vorgehen. Berechtigtes Interesse kann z.B. in folgenden Fällen vorliegen:

  • Eine starke Hund-Halter-Bindung: Ein Familienmitglied ist verstorben und sie möchten den Hund, der bisher in Ihrem Haushalt gelebt hat, jetzt übernehmen.
  • Hund aus Tierheim holen: Sie möchten einem Hund ein besseres Schicksal bescheren und ihn aus dem Tierheim übernehmen.

Woher bekommen Sie den Hund?

Sprechen Sie das weitere Vorgehen unbedingt vorher mit den Mitarbeitern im Ordnungsamt ab. Aufgrund des Zucht- und Handels-Verbots besteht für Sie keine Möglichkeit, einen Hund vom Züchter zu erwerben. In Rheinland-Pfalz ist die Zucht verboten und Hunde aus anderen Bundesländern zu erwerben ist ebenfalls verboten. Listenhunde dürfen auch nicht aus dem Ausland eingeführt werden. Hier gilt das Einfuhr- und Verbringungsgesetz, in dem der American Staffordshire Terrier ebenfalls als gefährlicher Hund gelistet ist. Sie dürfen letztlich nur einen Amstaff aus dem Tierheim übernehmen. Die Mitarbeiter im Ordnungsamt führen hierzu Listen und können Ihnen genau sagen, wo verfügbare Hunde auf einen neuen Halter warten.

Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Einige der hier genannten Kosten können variieren. Die genannten Preise sollen einen ungefähren Eindruck verschaffen:

  • Die Verwaltungsgebühr für die Erteilung einer Erlaubnis zur Haltung eines gefährlichen Hundes kostet Sie 50,-€.
  • Das Führungszeugnis kostet Sie in Koblenz 13,-€.
  • Die Kastration und das Chippen sind vermutlich bereits erledigt, wenn Sie Ihren Hund aus dem Tierheim holen. Die Kosten hierfür liegen laut GOT ab 50,-€ für einen männlichen Hund und 150,-€ für einen weiblichen Hund, werden allerdings nach Aufwand berechnet, wodurch keine pauschale Angabe möglich ist.
  • Die Sachkundeprüfung kann etwa 120,-€ kosten. Die Kosten hierfür legen die prüfenden Hundeschulen fest.
  • Sie sollten Ihrem Hund keinen Maulkorb aufsetzen, ohne dies vorher mit ihm trainiert zu haben! Hierfür fallen weitere Kosten in der Hundeschule Ihrer Wahl an.
  • Die Kosten für Haftpflichtversicherungen für Listenhunde liegen zwischen 50,-€ und 150,-€ im Jahr. Für Listenhunde können hier höhere Kosten anfallen.

Was passiert bei Verstößen?

Vorsätzliche und fahrlässige Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und können mit Geldbußen bis zu 10000€ geahndet werden. Sie werden im Falle der illegalen Haltung vermutlich keine Haltungserlaubnis bekommen und den Hund wieder verlieren.

Fazit

Die Gesetzeslage ist streng geregelt und zielt darauf ab, keine weiteren Listenhunde in das Bundesland einzuführen und die bereits vorhandenen Listenhunde aus den Tierheimen zu vermitteln. In der Praxis bedeutet das für Sie:

  1. Sie bekommen nur einen Amstaff aus einem Tierheim dessen Haltung immer mit strengen Auflagen versehen ist.
  2. Sie sollten die Vorgehensweise mit dem Ordnungsamt besprechen, bevor Sie sich einen Listenhund, wie z.B. den American Staffordshire Terrier ins Haus holen.
  3. Sie müssen mit zusätzlichen Unkosten für Ihren gelisteten Hund rechnen.

Links

Landesgesetz über gefährliche Hunde in Rheinland-Pfalz

Einfuhr- und Verbringungsgesetz in Deutschland

Seite der Stadtverwaltung Koblenz zu gefährlichen Hunden

Was halten Sie davon?