In Sachsen gilt das Gesetz zum Schutze der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden (GefHundG). Hier gilt für einige Hunde aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit eine widerlegbare Gefährlichkeitsvermutung, andere Hunde können aufgrund ihres Verhaltens als gefährlich eingestuft werden. Während für ungefährliche Hunde kaum Vorschriften enthalten sind, gelten für die Haltung gefährlicher Hunde weitreichende Verbote. Die zuständige Behörde ist hier die Kreispolizeibehöde.

Pflichten für alle Hundehalter

Die einzige Vorschrift des GefHundG, das alle Hunde betrifft ist das Verbot der Zucht oder Ausbildung von Hunden mit dem Ziel gesteigerter Aggressivität.

Gefährliche Hunde

Das GefHundG unterscheidet zwei Kategorien gefährlicher Hunde:

Kategorie 1: widerlegbar gefährliche Rassen

Die Gefährlichkeit wird nach GefHundG stets vermutet bei Hundegruppen, bei denen angenommen wird, dass durch Zuchtauswahl eine besondere Angriffsbereitschaft, Beißverhalten ohne Hemmung und herabgesetzte Empfindlichkeit gegen Angriffe des Gegners gefördert ist und denen aufgrund ihrer Beißkraft eine abstrakte Gefährlichkeit zugesprochen wird. Die Durchführungsverordnung (DVO GefHundG) listet hierzu folgende Rassen auf:

  • American Staffordshire Terrier
  • Bullterrier
  • Pitbull

Die Gefährlichkeit wird bei diesen Hunderassen ab einem Alter von sechs Monaten generell angenommen, kann aber im Einzelfall durch eine Gutachten widerlegt werden. Hierzu anerkannt sind Gutachten im Rahmen eines Wesenstests. Diese werden abgenommen von Tierärzten und von hierzu fortgebildeten Hundeausbildern im Dienst-, Rettungs-, Therapie- oder Begleithundewesen. Bei Wechsel des Hundehalters muss der Wesenstest erneut abgelegt werden.

Kategorie 2: Gefährliche Individuen

Unabhängig der Rassezugehörigkeit kann im Einzelfall ein Hund als gefährlich eingestuft werden. Dies gilt nach §1 (3) GefHundG für Hunde,

  • die sich gegenüber Menschen oder Tieren als aggressiv erwiesen haben, = Schädigung ohne provoziert worden zu sein
  • die zum Hetzen oder Reißen von Wild oder Nutztieren neigen oder
  • die durch Zucht, Haltung oder Ausbildung eine gesteigerte Aggressivität entwickelt haben und aus diesem Grund Menschen oder Tiere angreifen.

Die Gefährlichkeit wird durch die Kreispolizeibehörde festgestellt. Dem Kontext des Vorfalls wird insofern Rechnung getragen, als dass nur Vorfälle als aggressiv eingestuft werden, die ohne vorheriges Provoziertwerden erfolgten.

Vorschriften für gefährliche Hunde

Für Hunde der Kategorie 1 bestehen Zucht- und Handelsverbot. Ausgenommen vom Handelsverbot sind Hunde, die bis zum 31.12.2000 angezeigt wurden und deren bis zum 30.03.2001 geborene Nachkommen.

Erlaubnispflicht für gefährliche Hunde

Die Haltung eines gefährlichen Hundes ist erlaubnispflichtig. Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis sind Sachkunde, Volljährigkeit und Zuverlässigkeit des Halters, eine bestehende Haftpflichtversicherung des Hundes, sowie die verhaltensgerechte und ausbruchssichere Unterbringung des Hundes. Die Sachkunde wird durch eine Prüfung vor einem Prüfungsausschuß der Kreispolizeibehörde abgelegt. Der Prüfungsausschuß besteht aus einem Vertreter des Ordnungsamtes, einem Amtstierarzt, sowie mindestens einer weiteren sachkundigen Person. In der Sachkundeprüfung muss der Prüfling in einem theoretischen und einem praktischen Prüfungsteil seine Fähigkeiten zu Umgang und Haltung von Hunden nachweisen. Die theoretische Prüfung erfolgt mündlich. Die praktische Prüfung erfolgt mit dem jeweiligen gefährlichen Hund, jedoch erst ab einem Alter des Hundes von sieben Monaten.
Die Erlaubnis kann befristet und auf Widerruf, sowie mit Auflagen erteilt werden. Die Haltung des Hundes kann untersagt oder mit Auflagen verbunden werden, wenn dies zur Verhütung weiterer Gefahr für Leben oder körperliche Unversehrtheit von Menschen oder Tieren notwendig erscheint. Auch die Kastration des Hundes kann angeordnet werden. Abgabe und elektronische Kennzeichnung eines gefährlichen Hundes sind unverzüglich der Kreispolizeibehörde anzuzeigen.

Gefährliche Hunde in der Öffentlichkeit

Gefährliche Hunde sind so zu halten, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet werden. Interessanterweise gilt diese Vorschrift in Sachsen, anders als in vielen anderen Bundesländern, explizit nur für gefährliche Hunde. Zugänge zu dem befriedeten Besitztum, auf dem ein gefährlicher Hund gehalten wird, sind mit deutlich lesbaren Warnschildern zu kennzeichnen. Die Kreispolizeibehörde kann die Haltung eines gefährlichen Hundes kontrollieren.
Für gefährliche Hunde besteht Leinen- und Maulkorbzwang außerhalb des befriedeten Besitztums sowie in Treppenhäusern und auf Zuwegen von Mehrfamilienhäusern. Wer einen gefährlichen Hund führt, muss vom Alter, sowie von seiner körperlichen und geistigen Verfassung her hierzu in der Lage sein. Es darf nur ein gefährlicher Hund zurzeit geführt werden.
Für gefährliche Hunde besteht ein Aufenthaltsverbot auf Kinderspielplätzen, auf gekennzeichneten Liegewiesen und in Badeanstalten.

Weitere Regelungen

Weitere Regelungen zur Gefahrenabwehr können durch die allgemeinen Polizeibehörden in Polizeiverordnungen erlassen werden.Die Gemeinden müssen für gefährliche Hunde Abgaben erheben.
Verbotene Zucht und Hetzen auf Mensch oder Tier können eine Straftat darstellen. Weitere vorsätzliche und fahrlässige Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und können mit Geldbuße bis zu 25000€ geahndet werden. Nicht betroffen von den Regelungen des GefHundG sind Diensthunde von Bundes- und Landesbehörden, Rettungshunde, Katastrophenschutzhunde, Blindenhunde, Herdengebrauchshunde und Jagdhunde im Rahmen ihres zweckbestimmten Einsatzes.
Die Sächsische Landestierärztekammer setzt sich für eine Weiterentwicklung des Hundegesetzes ein mit verpflichtendem Sachkundenachweis für alle Hundehalter, Kennzeichnung und Registrierung aller Hunde.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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