Im Saarland gilt die Polizeiverordnung über den Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden im Saarland (HundeVO). Hier gilt für einige Hunde aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit eine widerlegbare Gefährlichkeitsvermutung, andere Hunde können aufgrund ihres Verhaltens als gefährlich eingestuft werden. Einige Leinenzwänge sowie das Verbot des Abrichtens auf Schärfe gelten für alle Hunde.

Vorschriften für alle Hunde

Leinenzwang

Genereller Leinenzwang besteht für alle Hunde bei öffentlichen Versammlungen, Aufzügen, Volksfesten und sonstigen Veranstaltungen mit Menschenansammlungen, in Gaststättenbetrieben, in Einkaufszentren, in Fußgängerzonen und in Haupteinkaufsbereichen, sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ausbildung

Das Abrichten von Hunden auf Angriffslust oder Schärfe oder ein anderes in der Wirkung gleichstehendes Verhalten ist verboten.

Gefährliche Hunde

Die HundeVO unterscheidet zwei Kategorien gefährlicher Hunde:

Kategorie 1 – widerlegbar gefährliche Rassen

Die Gefährlichkeit wird in der HundeVO stets vermutet bei Hunden folgender Rassen:

  • American Staffordshire Terrier
  • Staffordshire Bullterrier
  • American Pit Bull Terrier

Die Gefährlichkeit wird bei diesen Hunderassen generell angenommen, kann aber im Einzelfall durch einen Wesenstest vor einem Tierarzt widerlegt werden. Voraussetzung für die Zulassung zum Wesenstest sind ein Mindestalter von 12 Monaten, Kennzeichnung des Hundes mittels Chip und eine gültige Tollwutimpfung. Die nach bestandenem Wesenstest von der Behörde erteilte Bescheinigung gilt für drei Jahre. Auch mit Wechsel des Hundehalters sowie nach Feststellung der Gefährlichkeit des Hundes verliert sie ihre Gültigkeit.

Kategorie 2 – gefährliche Individuen

Unabhängig der Rassezugehörigkeit kann im Einzelfall ein Hund als gefährlich eingestuft werden. Dies gilt nach §1 (1) HundeVO für:

  • Hunde, die sich als bissig erwiesen haben,
  • Hunde, die in aggressiver und gefahrdrohender Weise Menschen oder Tiere angesprungen haben,
  • Hunde, die auf Angriffslust oder Schärfe oder andere in der Wirkung gleichstehende Zuchtmerkmale gezüchtet oder ausgebildet wurden.

Vorschriften für gefährliche Hunde

Haltung, Ausbildung und nicht gewerbsmäßige Zucht eines gefährlichen Hundes, der auf Angriffslust oder Schärfe gezüchtet oder ausgebildet wurde, sind verboten. Für Hunde gelisteter Rassen, die einen Wesenstest nicht bestehen, gilt ein Verbot der nicht gewerbsmäßigen Zucht. Die Unfruchtbarmachung dieser Hunde kann angeordnet werden.

Erlaubnispflicht für gefährliche Hunde

Ausbildung und Haltung eines gefährlichen Hundes, der sich als bissig erwiesen hat oder in aggressiver und gefahrdrohender Weise Menschen oder Tiere angesprungen hat, sind erlaubnispflichtig. Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis sind Sachkunde, Volljährigkeit und Zuverlässigkeit des Halters, ausbruchssichere Unterbringung des Hundes, sowie eine bestehende Haftpflichtversicherung des Hundes. Ein gefährlicher Hund muss von einem Tierarzt mittels Mikrochip dauerhaft gekennzeichnet werden. Die Verwaltungsvorschrift schreibt zudem vor, dass die Kennzeichnung einer zentralen Datenbank gemeldet werden muss. Hierzu kann der Halter wählen zwischen den Haustierregistern von TASSO, dem des Deutschen Tierschutzbundes und dem der Internationalen zentralen Tierregistrierung (IFTA). Zum Erwerb der erforderlichen Sachkunde muss der Hundehalter erfolgreich an einem behördlich anerkannten Lehrgang teilnehmen. Der Lehrgang besteht aus mindestens zehn Stunden theoretischem und fünfzehn Stunden praktischem Unterricht. Der Lehrgang wird mit einer theoretischen und einer praktischen Prüfung beendet. Detaillierte Regelungen hierzu sind in der Verwaltungsvorschrift zur HundeVO vorgegeben. Die Sachkunde wird für das jeweilige Hund-Halter-Team erworben, d.h. ein Halter, der bereits als sachkundig gilt, muss bei Aufnahme der Haltung eines als gefährlich geltenden Hundes mit diesem erneut die Sachkunde erwerben.
Die Erlaubnis kann befristet und auf Widerruf, sowie mit Auflagen erteilt werden. Die Haltung des Hundes kann untersagt werden, wenn dies zur Abwehr einer Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren notwendig erscheint. Abgabe oder Abhandenkommen eines gefährlichen Hundes sind unverzüglich anzuzeigen.

Gefährliche Hunde in der Öffentlichkeit

Gefährliche Hunde sind so zu halten, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet werden. Interessanterweise gilt diese Vorschrift im Saarland, anders als in vielen anderen Bundesländern, explizit nur für gefährliche Hunde. Gefährliche Hunde dürfen ihr Grundstück nicht gegen den Willen des Halters verlassen können. Zugänge zu dem befriedeten Besitztum, auf dem ein gefährlicher Hund gehalten wird, sind mit deutlich sichtbaren Warnschildern im Mindestformat 15x21 Zentimeter mit der Aufschrift „Vorsicht - gefährlicher Hund!" zu kennzeichnen.
Für gefährliche Hunde besteht Leinen- und Maulkorbzwang außerhalb des befriedeten Besitztums sowie bei Mehrfamilienhäusern auf Zuwegen oder in Treppenhäusern. Ausnahmen vom Maulkorbzwang können nach Vorlegen eines gutachterlichen Stellungnahme durch einen sachverständigen Tierarzt im Einzelfall durch die Ortspolizeibehörde zugelassen werden. Zudem müssen gefährliche Hunde in der Öffentlichkeit ein Halsband tragen, auf dem Name und Anschrift des Halters angegeben sind. Es darf nur ein gefährlicher Hund zurzeit geführt werden.

Weitere Regelungen

Vorsätzliche und fahrlässige Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und können mit Geldbuße bis zu 5000€ geahndet werden. Nicht betroffen von den Regelungen der HundeVO sind Diensthunde des Bundes, des Landes, der Kommunen und des Rettungswesens, Herdengebrauchshunde, Jagdhunde, Blindenhunde und Behindertenbegleithunde während Ausbildung und Einsatz.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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