In Rheinland-Pfalz regelt das Landesgesetz über gefährliche Hunde (LHundG) vom 22.12.2004 den Umgang mit gefährlichen Hunden. Hier gelten einige Hunde aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit unwiderleglich als gefährlich, andere Hunde können aufgrund ihres Verhaltens als gefährlich eingestuft werden. Für Hunde, die nicht als gefährlich gelten, sind lediglich lokale Leinenpflichten und Ausbildungsverbote zu beachten.

Vorschriften für alle Hunde

Die einzige Vorschrift des LHundG, das alle Hunde betrifft ist das Verbot von Zuchtselektion, Ausbildung oder Haltung von Hunden mit dem Ziel der Gefährlichkeit. Hiervon ausgenommen ist die Ausbildung von Diensthunden von Bund, Land und Kommunen, Herdengebrauchshunden und Jagdhunden im Rahmen ihrer jeweiligen Zweckbestimmung.
In einzelnen Landesverordnungen über Schutzgebiete sind das Verbot der Ausbildung von Hunden im „Naturpark Südeifel" und die Verbote des Freilaufes und der Ausbildung von Hunden im Naturschutzgebiet „Untere Nahe" zu finden.

Gefährliche Hunde

Das LHundG unterscheidet zwei Kategorien gefährlicher Hunde:

Kategorie 1 – unwiderleglich gefährliche Rassen

Die Gefährlichkeit wird im Landesgesetz über gefährliche Hunde stets vermutet bei Hunden folgender Rassen:

  • American Staffordshire Terrier
  • Staffordshire Bullterrier
  • Hunde des Typs Pit Bull Terrier
  • Hunde, die von einer dieser Rassen oder diesem Typ abstammen

Hunde dieser Rassen gelten unabhängig ihres Verhaltens als gefährlich.

Kategorie 2 – gefährliche Individuen

Unabhängig der Rassezugehörigkeit kann im Einzelfall ein Hund als gefährlich eingestuft werden. Dies gilt nach §1 (1) LHundG für:

  • Hunde, die sich als bissig erwiesen haben
  • Hunde, die durch Ihr Verhalten gezeigt haben, dass sie Wild oder Vieh hetzen oder reißen
  • Hunde, die in aggressiver oder Gefahr drohender Weise Menschen angesprungen haben
  • Hunde, die eine über das natürliche Maß hinausgehende Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder andere in ihrer Wirkung vergleichbare Eigenschaft entwickelt haben

Vorschriften für gefährliche Hunde

Zucht, Vermehrung und Handel mit einem gefährlichen Hund sind verboten. Die Unfruchtbarmachung des Hundes kann angeordnet werden.

Erlaubnispflicht für gefährliche Hunde

Die Haltung eines gefährlichen Hundes ist erlaubnispflichtig. Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis sind Sachkunde, Volljährigkeit und Zuverlässigkeit des Halters, eine bestehende Haftpflichtversicherung des Hundes, sowie ein berechtigtes Interesse an der Haltung des gefährlichen Hundes. Die Sachkunde weist der Halter mit dem betreffenden Hund vor einer sachverständigen und durch die Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz benannten Person nach.
Zudem muss der Hund mit einem Chip gekennzeichnet werden und der Chip-Vorgang durch eine Bescheinigung des durchführenden Tierarztes nachgewiesen werden. Die Erlaubnis zur Haltung eines gefährlichen Hundes wird auf Widerruf erteilt.
Das Überlassen eines gefährlichen Hundes an eine andere Person muss ab einer Dauer von vier Wochen der zuständigen Behörde mitgeteilt werden. Ebenso sind Wechsel von Wohnort oder Halter, sowie Abhandenkommen des Hundes unverzüglich der Behörde mitzuteilen.

Gefährliche Hunde in der Öffentlichkeit

Gefährliche Hunde sind in sicherem Gewahrsam zu halten und so zu halten, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet werden. Interessanterweise gilt diese Vorschrift in Rheinland-Pfalz, anders als in den meisten anderen Bundesländern, explizit nur für gefährliche Hunde. Einen gefährlichen Hund darf in der Öffentlichkeit nur führen, wer volljährig, zuverlässig und körperlich dazu in der Lage ist. Es darf nur ein gefährlicher Hund zurzeit geführt werden.
Für gefährliche Hunde besteht Leinen- und Maulkorbzwang außerhalb des befriedeten Besitztums sowie bei Mehrfamilienhäusern auf Zuwegen, in Treppenhäusern und Fluren sowie in sonstigen, von der Hausgemeinschaft gemeinsam genutzten Räumen. Ausnahmen vom Maulkorbzwang sind möglich, wenn im Einzelfall keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist. Dies gilt z.B. für Hunde bis zum 12. Lebensmonat oder bei körperlichen Gebrechen des Hundes. Die Aufhebung des Maulkorbzwangs kann mit Auflagen verknüpft werden, z.B. dem Tragen eines Kopfhalfters.

Weitere Regelungen

Zur Gefahrenabwehr können weitere Anordnung getroffen werden. Die Überprüfung eines Hundes findet durch einen amtlichen Tierarzt oder eine Polizeihundestaffel statt. Auch die Tötung eines Hundes kann angeordnet werden, wenn erhebliche Gefahr für Mensch und Tier besteht und der amtliche Tierarzt der Tötung zustimmt.
Vorsätzliche und fahrlässige Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und können mit Geldbuße bis zu 10000€ geahndet werden. Nicht betroffen von den Regelungen des LHundG sind Diensthunde des Bundes, des Landes und der Kommunen.

Hier bietet das Land Rheinland-Pfalz Informationen zu den Vorschriften für gefährliche Hunde und Beißstatistiken von 2001 bis heute.

© Dunia Thiesen-Moussa

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Dunia Thiesen-Moussa
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Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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