In Mecklenburg-Vorpommern gilt die „Verordnung über das Führen und Halten von Hunden“ (Hundehalterverordnung - HundehVO M-V). Sie unterscheidet zwischen gefährlichen Individuen und einer widerlegbaren Gefährlichkeitsvermutung bestimmter Rassen. Für alle übrigen Hunde gelten Aufsichts-, Leinen- und Kennzeichnungspflichten.

Pflichten für alle Hundehalter

Aufsichtspflichten

Hunde dürfen das befriedete Besitztum nicht gegen den Willen des Halters verlassen können. Wer Hunde in der Öffentlichkeit führt, muss körperlich und geistig in der Lage sein, den Hund so zu beaufsichtigen, dass keine Menschen, Tiere oder Sachen gefährdet werden. Ausgenommen hiervon sind Blinden- und Behindertenbegleithunde. Nach den gemeindlichen Grünflächensatzungen §3 (2) gilt, dass Hunde auf Grünflächen nicht andere Personen belästigen oder Grünflächen bzw. deren Bestandteile beschädigen dürfen, Hunde von Kinderspielplätzen ferngehalten werden müssen und Hundekot sofort entfernt werden muss.

Leinenzwang

Außerhalb des befriedeten Besitztums dürfen Hunde nicht ohne Aufsicht frei laufen. Ausgenommen hiervon sind Blinden- und Behindertenbegleithunde, sowie im Einsatz befindliche Jagd- und Herdengebrauchshunde. Leinenzwang gilt für Versammlungen, Umzüge, Volksfeste und sonstige öffentliche Veranstaltungen, an Orten mit großen Menschenansammlungen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Verkaufsstätten und in Tiergärten. Ausgenommen von diesen Leinenzwängen sind Blinden- und Behindertenbegleithunde. Das Landeswaldgesetz schreibt zudem in § 29 (2) eine grundsätzliche Leinenpflicht in Waldgebieten vor.
Wie in jedem Bundesland, so können auch hier die einzelnen Kommunen weitreichendere Vorschriften bestimmen. Erwähnenswert ist an dieser Stelle die Verordnung des Amtes Warnow-West über das Führen von Hunden (HundeVO Warnow-West), welche einen generellen Leinenzwang auf öffentlichen Straßen und öffentlichen Grünflächen innerhalb der geschlossenen Ortslage der Orte in der Zeit von 06.00h bis 22.00h vorschreibt. Die Leinenlänge darf maximal zwei Meter betragen. Auch müssen Hundehalter in Warnow-West zum unverzüglichen Aufsammeln des Hundekotes geeignete Behälter mitführen und auf Verlangen vorzeigen. Zudem gilt hier ein Mitnahmeverbot für Hunde auf Kinderspielplätzen, sowie vom 15.05. bis 15.09. jeden Jahres an Badestellen.

Kennzeichnung

In der Öffentlichkeit muss jeder Hund ein Halsband mit Name und Wohnanschrift des Halters oder eine gültige Steuermarke tragen.

Ausbildung

Die Ausbildung eines Hundes zu gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren ist verboten.

Gefährliche Hunde

Kategorie 1 – widerlegbar gefährliche Rassen:

Grundsätzlich als gefährlich gelten in Mecklenburg-Vorpommern Hunde folgender Rassen:

  • American Pitbull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Staffordshire Bull Terrier
  • Bull Terrier
  • sowie deren Kreuzungen untereinander und mit anderen Hunderassen oder -gruppen

Hierbei handelt es sich um eine widerlegbare Gefährlichkeitsvermutung. Im Einzelfall kann die Gefährlichkeit nach Prüfung durch einen amtlich beauftragten Tierarzt, in der Regel durch eine positive Wesensprüfung, widerlegt werden. Die daraufhin von der Ordnungsbehörde ausgestellte Bescheinigung über die Ungefährlichkeit des Hundes muss stets mitgeführt werden. Sie verliert bei Wechsel des Hundehalters, sowie spätestens nach fünf Jahren ihre Gültigkeit.

Kategorie 2 – gefährliche Individuen:

Unabhängig der Rassezugehörigkeit kann im Einzelfall ein Hund als gefährlich eingestuft werden. Dies gilt gemäß §2 (1) HundehVO M-V für Hunde,

  • bei denen von einer durch Zucht, Ausbildung oder Abrichten herausgebildeten, über das natürliche Maß hinausgehenden Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder einer anderen, in ihrer Wirkung vergleichbaren Mensch oder Tier gefährdenden Eigenschaft auszugehen ist,
  • die einen Menschen oder ein Tier durch Biss geschädigt haben, ohne selbst angegriffen oder dazu durch Schläge oder in ähnlicher Weise provoziert worden zu sein (bissige Hunde),
  • die wiederholt Menschen gefährdet haben, ohne selbst angegriffen oder provoziert worden zu sein, oder wiederholt Menschen in gefahrdrohender Weise angesprungen haben.

Vorschriften für gefährliche Hunde

Erlaubnispflicht für gefährliche Hunde

Zucht, Halten und Führen eines gefährlichen Hundes sind grundsätzlich verboten und nur nach Erteilung einer Erlaubnis gestattet. Erlaubnisvoraussetzung sind Sachkunde, Volljährigkeit, Zuverlässigkeit und körperliche Eignung der betreffenden Person, sowie das Vorliegen von Räumlichkeiten zur verhaltensgerechten und ausbruchssicheren Unterbringung des Hundes.
Die Sachkunde wird in Mecklenburg-Vorpommern durch eine Prüfung vor einem Prüfungsausschuss der Kreisordnungsbehörde oder eine gleichwertige Ausbildung erlangt. Prüfung und Bescheinigung zur Sachkunde werden auf die jeweilige Hunderasse oder -gruppe beschränkt.
Ein gefährlicher Hund muss unveränderlich gekennzeichnet werden. Hierzu sind neben dem Mikrochip auch Tätowierungen anerkannt.
Die Erlaubnis kann befristet und unter Vorbehalt sowie mit Auflagen erteilt werden. Sie ist beim Führen des Hundes stets mitzuführen. Wird die Erlaubnis nicht unverzüglich beantragt oder besteht eine dringende Gefahr für Leben oder körperliche Unversehrtheit von Menschen oder Tieren, können Zucht, Haltung und Führen des Hundes untersagt werden. Ebenso kann die Ordnungsbehörde die Fortnahme oder Tötung des Hundes nach einer festgesetzten Frist vorschreiben.

Gefährliche Hunde in der Öffentlichkeit

Zugänge zu dem befriedeten Besitztum, auf dem ein gefährlicher Hund gehalten wird, sind mit deutlich sichtbaren Warnschildern mit der Aufschrift „Vorsicht, gefährlicher Hund!" oder „Vorsicht bissiger Hund!" zu kennzeichnen. Ein Mitnahmeverbot für gefährliche Hunde gilt auf Kinderspielplätzen, an Badestellen, sowie auf ausgewiesenen Liegeplätzen. Für gefährliche Hunde gilt außerhalb des befriedeten Besitztums Leinen- und Maulkorbzwang. Die Leinenlänge darf maximal zwei Meter betragen. Halsband und Leine müssen ausreichend fest sein und ununterbrochene Kontrolle über den Hund gewährleisten. Der Maulkorbzwang gilt für Hunde, welche aufgrund der wiederholten Gefährdung von Menschen ohne gebissen zu haben als gefährlich gelten, nur auf Zuwegen und in Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern. Eine Person darf nur einen gefährlichen Hund zurzeit führen. Ausgeschlossen von diesen Regelungen sind Jagd- und Herdengebrauchshunde im Rahmen ihres zweckbestimmten Einsatzes. Bei Abgabe eines gefährlichen Hundes sind der Ordnungsbehörde unverzüglich Name und Anschrift des neuen Halters mitzuteilen. Auch im Falle des dauerhaften Entweichens des Hundes aus dem Einwirkungsbereich des Halters ist unverzüglich die Ordnungsbehörde zu benachrichtigen.
Besuche mit einem als gefährlich geltenden Hund in Mecklenburg-Vorpommern sind ab einer Dauer von mehr als drei Tagen bei der jeweiligen Ordnungsbehörde anzuzeigen.

Weitere Regelungen

Ausgenommen von den Regelungen der HundehVO M-V sind Diensthunde der Behörden sowie Hunde des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes, soweit der bestimmungsgemäße Einsatz dies erfordert. Vorsätzliche und fahrlässige Verstöße gegen die HundehVO M-V sind Ordnungswidrigkeiten und können mit einer Geldbuße bis zu 5000€ geahndet werden.

Links

Seite des Justizministeriums zur HundehVO M-V

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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