In Brandenburg unterscheidet die Ordnungsbehördliche Verordnung über das Halten von Hunden (Hundehalterverordnung - HundehV) vom 16.06.2004 zwischen unwiderleglich gefährlichen Rassen, widerlegbar gefährlichen Rassen, gefährlichen Individuen und großen Hunden. Auch für die übrigen Hunde sind Regelungen zu beachten.

Pflichten für alle Hundehalter

Alle Hunde sind so unterzubringen, dass sie nicht unbeabsichtigt vom Grundstück entweichen können. Wer einen Hund führt, muss körperlich und geistig die Gewähr bieten, den Hund jederzeit so beaufsichtigen zu können, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet werden. Eine volljährige Person darf maximal drei Hunde zeitgleich führen. Eine minderjährige Person darf nur einen Hund zurzeit führen. Zudem schreibt die brandenburgische HundehV vor, dass jeder Hund außerhalb des befriedeten Besitztums ein Halsband tragen muss, auf dem Name und Adresse des Halters angegeben sind.

Leinenpflicht für alle Hunde

Für alle Hunde gilt Leinenzwang auf Veranstaltungen mit Menschenansammlungen (z.B. öffentliche Versammlungen, Umzüge), auf Sport- und Campingplätzen, in begrenzten öffentlichen Park-, Garten- und Grünanlagen, in Einkaufszentren, Fußgängerzonen, Verwaltungsgebäuden und in öffentlichen Verkehrsmitteln, sowie in Mehrfamilienhäusern auf Zuwegen, in Treppenhäusern und in gemeinschaftlichen Räumen. Die Hunde müssen an einer reißfesten, maximal zwei Meter langen Leine geführt werden. Darüber hinaus dürfen Hunde gemäß § 15 Abs. 8 des Waldgesetzes des Landes Brandenburg im Wald nur an der Leine geführt werden.

Maulkorbpflicht für alle Hunde

Für alle Hunde gilt Maulkorbzwang in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Verwaltungsgebäuden.

Hundeverbot

Generelles Hundeverbot besteht auf Kinderspielplätzen, ausgewiesenen Liegewiesen, Badeanstalten und öffentliche Badestellen.

Ausbildung

Bei Ausbildung, Abrichten und Aufzucht von Hunden ist auf Sozialverträglichkeit und Folgsamkeit gegenüber dem Halter hinzuwirken.

Gefährliche Hunde

Lässt sich die Rasse eines Hundes nicht eindeutig zuordnen, kann die Vorlage eines Rassegutachtens angeordnet werden. In einem Urteil vom 22.07.2014 entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (Az. 5S 28.13), dass ein solcher Eingriff nicht unverhältnismässig sei.

Die brandenburgische HundehV unterscheidet drei Kategorien gefährlicher Hunde:

Rasseliste Kategorie 1: unwiderleglich gefährliche Rassen

Unwiderleglich als gefährlich gelten in Brandenburg Hunde folgender Rassen:

  • American Pitbull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Bullterrier
  • Staffordshire Bullterrier
  • Tosa Inu
  • sowie deren Kreuzungen untereinander und mit anderen Hunden

Hunde dieser Rassen gelten unabhängig ihres Verhaltens als gefährlich.

Update November 2015: In einem Beschluss des Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg vom 03.08.2015 (Aktenzeichen OVG 5 S 36.14) wurde auch der Leavitt Bulldogg, der aus einer Kreuzung der Rassen English Bulldog, Bullmastiff, Anerican Bulldog und American Pitbull Terrier hervorgegangen ist, als unwiderlegbar gefährlicher Hund eingestuft. Ferner heißt es in dem Beschluß, dass unter die Kategorie 1 nicht nur Kreuzungen der ersten Generation zählen, sondern die Gefährlichkeit eines Mischlingshundes sich nach seinem Erscheinungsbild richtet.

Rasseliste Kategorie 2: widerlegbar gefährliche Rassen

In der Kategorie 2 werden folgende Rassen gelistet:

  • Alano
  • Bullmastiff
  • Cane Corso
  • Dobermann
  • Dogo Argentino
  • Dogue de Bordeaux
  • Fila Brasileiro
  • Mastiff
  • Mastin Español
  • Mastino Napoletano
  • Perro de Presa Canario
  • Perro de Presa Mallorquin
  • Rottweiler
  • sowie deren Kreuzungen untereinander und mit anderen Hunden

Widerlegbare Gefährlichkeitsvermutung für Hunde der Kategorie 2

Hunde der Kategorie 2 gelten als gefährlich solange nicht das Gegenteil nachgewiesen wurde. Hierzu muss jeweils im Einzelfall ein Gutachten belegen, dass das Tier keine gesteigerte Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder eine andere in ihrer Wirkung vergleichbare Eigenschaft gegenüber Mensch oder Tier aufweist. Der Hund muss mittels eines Chips gekennzeichnet und die Zuverlässigkeit des Halters belegt sein. Auf der Grundlage des Gutachtens kann die örtliche Behörde ein sogenanntes Negativzeugnis erteilen. Ein Negativzeugnis wird erst ab einem Alter von einem Jahr erstellt. Bis dahin kann eine befristete Erlaubnis erteilt werden. Das Negativzeugnis ist stets an den Hundehalter gebunden.

Kategorie 3: gefährliche Individuen

Unabhängig der Rassezugehörigkeit wird im Einzelfall nach entsprechendem Vorfall eine Gefährlichkeit festgestellt. Dies gilt für:

  • Hunde, bei denen auf Grund rassespezifischer Merkmale, Zucht, Ausbildung oder Abrichten von einer über das natürliche Maß hinausgehenden Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder einer anderen in ihrer Wirkung vergleichbaren, Mensch oder Tier gefährdenden Eigenschaft auszugehen ist,
  • Hunde, die als bissig gelten, weil sie einen Menschen oder ein Tier durch Biss geschädigt haben, ohne selbst angegriffen oder dazu durch Schläge oder in ähnlicher Weise provoziert worden zu sein, oder weil sie einen anderen Hund trotz dessen erkennbarer artüblicher Unterwerfungsgestik gebissen haben,
  • Hunde, die durch ihr Verhalten gezeigt haben, dass sie unkontrolliert Wild oder andere Tiere hetzen oder reißen, oder
  • Hunde, die ohne selbst angegriffen oder provoziert worden zu sein, wiederholt Menschen gefährdet haben oder wiederholt Menschen in gefahrdrohender Weise angesprungen haben.

Vorschriften für gefährliche Hunde

Erlaubnispflicht für gefährliche Hunde

Die Haltung eines gefährlichen Hundes ist erlaubnispflichtig. Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis sind Volljährigkeit, Zuverlässigkeit und Sachkunde des Hundehalters. Zudem muss der Halter ein berechtigtes Interesse zur Haltung des Hundes nachweisen, als Beispiel hierzu wird die Bewachung gefährdeten Besitztums genannt. Für den Hund muss eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Die Haltung des Hundes darf die körperliche Unversehrtheit von Menschen und Tieren nicht gefährden und der Hund muss verhaltensgerecht und ausbruchssicher untergebracht werden. Die Haltererlaubnis kann befristet sowie mit Auflagen verbunden werden. Als regelmäßige Auflagen werden die Kennzeichnung mittels Chip, sowie die Pflicht zur Kastration des Hundes aufgezählt. Die Abgabe eines gefährlichen Hundes muss der Ordnungsbehörde unverzüglich mitgeteilt werden.

Mit der Sachkunde weist der Halter nach, dass er aufgrund seiner Kenntnisse und Fähigkeiten den Hund jederzeit so halten und führen kann, dass von diesem keine Gefahr für Menschen, Tiere oder Sachen ausgeht. Diese Kenntnisse sind in einer schriftlichen Prüfung zu belegen. Als sachkundig gelten in Brandenburg Diensthundeführer von Bundes- und Landesbehörden.

Ausbildung und Abrichtung eines gefährlichen Hundes sind ebenfalls erlaubnispflichtig.

Weitere Vorschriften für gefährliche Hunde

Gefährliche Hunde müssen in ausbruchssicherer Einfriedung gehalten werden, so dass sie das Grundstück nicht gegen den Willen des Halters verlassen können. An allen Zugängen zum Grundstück müssen deutlich sichtbare Warnschilder mit der Aufschrift „Vorsicht bissiger Hund!“ oder „Vorsicht gefährlicher Hund!“ angebracht werden. Die Haltung eines gefährlichen Hundes in einem Mehrfamilienhaus ist grundsätzlich untersagt. Ausnahmen hiervon sind möglich sofern keine Menschen, Tiere oder Sachen gefährdet werden.

Für gefährliche Hunde bestehen Zucht- und Handelsverbot.

Gefährliche Hunde in der Öffentlichkeit

Ein gefährlicher Hund darf nur von volljährigen Personen geführt werden, die ihre Zuverlässigkeit und Sachkunde nachgewiesen haben. Es darf stets nur ein gefährlicher Hund pro Person geführt werden. Die Erlaubnis und gegebenenfalls das Negativzeugnis des Hundes sind stets mitzuführen und auf Verlangen vorzuzeigen.

Außerhalb des eigenen Grundstücks müssen gefährliche Hunde zusätzlich zu dem für alle Hunde in Brandenburg verpflichtenden Halsband mit Name und Anschrift des Halters eine Plakette am Halsband tragen. Hunde gelisteter Rassen ohne Negativzeugnis tragen eine rote runde Plakette, Hunde der Kategorie 2 mit Negativzeugnis tragen eine grüne runde Plakette.

Außerhalb des befriedeten Besitztums müssen gefährliche Hunde an einer maximal zwei Meter langen, reißfesten Leine geführt werden und einen Maulkorb tragen. Der Leinenzwang gilt nicht für gekennzeichnete Hundeauslaufflächen. Der Maulkorbzwang gilt für Hunde ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat, bzw. für Hunde, die auf die Begleithundeprüfung vorbereitet werden, ab dem vollendeten 15. Lebensmonat. Bei Vorlage eines Gesundheitszeugnisses, welches eine Gefährlichkeit aus gesundheitlichen Gründen für unwahrscheinlich erklärt, kann der Hund vom Maulkorbzwang befreit werden.

Anzeigepflicht für große Hunde

In Brandenburg gilt die 40/20-Regelung: Hunde, welche ausgewachsen eine Widerristhöhe von mindestens 40 Zentimetern oder ein Körpergewicht von 20 Kilogramm erreichen, gelten als groß. Die Haltung eines großen Hundes ist anzeigepflichtig. Zudem müssen große Hunde mittels Mikrochip gekennzeichnet sein. Voraussetzungen für die Haltung eines großen Hundes ist zudem die Zuverlässigkeit des Halters.

Weitere Regelungen

Zuwiderhandlungen gegen die HundehV stellen Ordnungswidrigkeiten dar und können mit Bußgeld bis zu einer Höhe von 50.000€ belegt werden. Auch Sicherstellung oder Tötung des Hundes sind möglich. Nicht betroffen von der HundehV sind Diensthunde des Bundesgrenzschutzes, des Zolls, der Bundeswehr, des Katastrophenschutzes, des Rettungsdienstes und der Polizei. Ebenso sind Jagd- und Herdengebrauchshunde von der Verordnung ausgenommen, soweit diese im Rahmen ihrer jeweiligen Zweckbestimmung eingesetzt werden. Für Blinden- Behindertenbegleithunde gilt bei Nachweis über ihren Verwendungszweck lediglich die Anzeigepflicht für 40/20-Hunde.

Link zur Hundehalterverordnung - HundehV in Brandenburg

Interessant sind auch die Fragen und Antworten zur Hundehalterverordnung. Hier finden sich zusätzliche Informationen z.B zur Listung von Schäferhunden, was man als Urlauber mit einem als gefährlich gelisteten Hund beachten muss oder Informationen zur Besteuerung von als gefährlich eingestuften Hunden.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

Was halten Sie davon?