In Thüringen regelt das Thüringer Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren (GefTierG TH) vom 01.09.2011 den Umgang mit gefährlichen Tieren. Die Haltung gefährlicher Tiere ist erlaubnispflichtig. Hunde können aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit und aufgrund ihres Verhaltens als gefährlich gelten.

Pflichten für alle Hundehalter

Alle Hunde sind so zu halten und zu führen, dass Menschen und Sachen nicht gefährdet werden. Das GefTierG TH schreibt dies übrigens nicht nur für Hunde, sondern für alle Tiere vor.

Chip und Haftpflichtversicherung

Alle Hunde müssen mittels Mikrochip gekennzeichnet sein und über eine Haftpflichtversicherung in Höhe von 500.000€ für Personenschäden und 250.000€ für sonstige Schäden verfügen. Beides muss der Halter der Behörde anzeigen.

Leinenzwang

Leinenpflichten für alle Hunde, beispielsweise im Bereich von Fußgängerzonen und Kinderspielplätzen, können sich aus kommunalen Verordnungen (Stadtordnungen) ergeben. Ferner gilt für nicht jagdlich verwendete Hunde Leinenpflicht im Wald (§6, Absatz 2 ThürWaldG).

Gefährliche Hunde

Gefährliche Rassen

Als gefährlich gelten in Thüringen folgende Rassen:

  • Pitbull-Terrier
  • American Staffordshire-Terrier
  • Staffordshire-Bullterrier
  • Bullterrier
  • deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden

Das GefTierG TH lässt eine Erweiterung der Rasseliste zu, wenn bei weiteren Hunderassen "die Vermutung besteht, dass ihre Gefährlichkeit für das Leben und die Gesundheit der Menschen und Tiere auf rassespezifische Merkmale wie Beißkraft, reißendes Beißverhalten und Kampfinstinkt zurückzuführen ist." (§3 (4) GefTierG TH)

Die Gefährlichkeit wird bei diesen Hunderassen generell angenommen, kann aber im Einzelfall durch einen Wesenstest widerlegt werden.

Für diese Hunderassen bzw. Kreuzungen besteht ein bundesgesetzliches Verbringungs- und Einfuhrverbot (Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz).

Miniatur-Bullterrier werden als eigenständige Rasse anerkannt. Mit dieser Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gera im April 2014 (Az. 2K 513/12) gelten Miniatur-Bullterrier in Thüringen nicht als gefährlich und unterliegen nicht dem gesetzlichen Zucht- und Handelsverbot.

Gefährliche Individuen

Unabhängig der Rassezugehörigkeit wird im Einzelfall nach entsprechendem Vorfall und Durchführung eines Wesenstests eine Gefährlichkeit festgestellt. Dies gilt für Hunde, die

„a) eine über das natürliche Maß hinausgehende Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder andere in ihrer Wirkung vergleichbare Eigenschaft entwickelt haben,

b) sich als bissig erwiesen haben,

c) in aggressiver oder Gefahr drohender Weise Menschen angesprungen haben oder

d) durch ihr Verhalten gezeigt haben, dass sie Vieh, Katzen oder Hunde sowie unkontrolliert Wild hetzen oder reißen.“

§3 (2) Nr. 2 GefTierG TH

Bei Vorliegen konkreter Anhaltspunkte für die Gefährlichkeit eines Hundes kann die Behörde die Durchführung eines Wesenstest anordnen. Die Sozialverträglichkeit eines Hundes kann nur durch einen Wesenstest nachgewiesen werden.

Die Tötung eines Tieres kann angeordnet werden, wenn von dem Tier eine erhebliche Gefährdung für Menschen oder Tiere ausgeht und das zuständige Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt der Tötung zustimmt.

Vorschriften für gefährliche Hunde

Erlaubnispflicht für gefährliche Hunde

Die Haltung eines gefährlichen Hundes ist ab dem achten Lebensmonat erlaubnispflichtig. Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis sind Volljährigkeit, Zuverlässigkeit sowie die Sachkunde des Hundehalters.

Mit der Sachkunde weist der Halter nach, dass er ein gefährliches Tier so halten und führen kann, dass von diesem keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht. Zum Nachweis der Sachkunde muss eine Prüfung mit dem gefährlichen Hund abgelegt werden. Als sachkundig gelten Diensthundeführer der Polizei.

Der Hund muss mittels Chip gekennzeichnet sein und über eine Haftpflichtversicherung verfügen.

Der Halter muss bei Anschaffung des gefährlichen Hundes einen besonderen wissenschaftlichen oder beruflichen Bedarf für die Haltung des Tieres nachweisen. Bei Anschaffung eines Hundes gelisteter Rassen muss zudem nachgewiesen werden, dass dieser Bedarf nicht durch Hunde anderer Rassen angemessen befriedigt werden kann. Dieser Nachweis wird den meisten Hundehaltern kaum möglich sein.

Die Erlaubnis kann befristet und mit Auflagen verbunden werden. Wird das Tier länger als vier Wochen in fremde Obhut gegeben, muss der Halter dies der zuständigen Behörde mitteilen. Diese kann die Überlassung untersagen, um Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu vermeiden.

Ein Abhandenkommen eines gefährlichen Tieres ist unverzüglich der Behörde zu melden.

Bei Haltung eines gefährlichen Hundes muss an jedem Zugang des eingefriedeten Besitztums, also des Grundstückes oder der Wohnung, ein entsprechendes Warnschild angebracht werden. Innerhalb des eigenen Grundstücks muss der Halter sicherstellen, dass der gefährliche Hund nur unter seiner Aufsicht Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen kann. Hunde gelisteter Rassen sind mit dem Eintritt der Geschlechtsreife unfruchtbar zu machen. Zucht und Vermehrung sind für Hunde dieser Rassen nur für Wissenschaft und Forschung erlaubt.

Gefährliche Hunde in der Öffentlichkeit

Für gefährliche Hunde gilt außerhalb des eigenen Grundstücks Leinen- und Maulkorbzwang. Die Leinenlänge darf höchstens zwei Meter betragen. Ausgenommen von der Leinenpflicht sind eingezäunte ausgewiesene Hundeauslaufflächen, sofern eine Gefährdung Dritter ausgeschlossen ist.

Der Maulkorbzwang gilt ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat.

Einen gefährlichen Hund darf nur führen, wer zuverlässig und dem Hund körperlich gewachsen ist.

Beim Führen eines gefährlichen Hundes müssen ein Personaldokument, sowie die entsprechende Erlaubnis mitgeführt und auf Verlangen vorgezeigt werden. Ein gefährlicher Hund darf nicht zusammen mit anderen Hunden geführt werden.

Weitere Regelungen

Ausgenommen von den Regelungen sind Diensthunde von Behörden, Hunde des Rettungsdienstes oder des Katastrophenschutzes und Blindenführhunde. Für sie gilt nur ganz allgemein: Sie sind so zu halten, dass Menschen und Sachen durch sie nicht gefährdet werden.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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