In Baden-Württemberg ist seit dem 16.August 2000 die „Polizeiverordnung über das Halten von gefährlichen Hunden“ (PolVOgH) in Kraft. Diese so genannte Kampfhundeverordnung definiert Kampfhunde zweier Kategorien sowie gefährliche Hunde.

Pflichten für alle Hundehalter

Hunde, die nicht als Kampfhund oder als gefährlicher Hund gelten, unterliegen keinen gesonderten Regelungen. Lediglich Haltung und Ausbildung mit dem Ziel gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren sind erlaubnispflichtig und nur für Wach- und Schutzzwecke durch sachkundige und zuverlässige Personen erlaubt. Hiervon ausgenommen sind so genannte Kampfhunde.

Leinenzwang

Leinenpflicht für alle Hunde gilt gemäß Landeswaldgesetz im Bereich von Kinderspielplätzen, Spiel- und Liegewiesen und Wassertretanlagen. Das Landesjagdgesetz verbietet es, in einem nicht befriedeten Teil eines Jagdbezirks Hunde ohne ausreichende Sicherungsmaßnahmen gegen deren Entkommen oder außerhalb seiner Einwirkung frei laufen zu lassen.

"Kampfhunde" und gefährliche Hunde

§1 definiert folgendermaßen:

"Kampfhunde im Sinne dieser Verordnung sind Hunde, bei denen aufgrund rassespezifischer Merkmale, durch Zucht oder im Einzelfall wegen ihrer Haltung oder Ausbildung von einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren auszugehen ist."

§2 PolVOgH

Kampfhund kraft Vermutung – Kategorie 1

Grundsätzlich als Kampfhund und damit als besonders gefährlich gelten Hunde folgender Rassen:

  • American Staffordshire Terrier
  • Bullterrier
  • Pit Bull Terrier
  • deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden

Die Kampfhundeigenschaft ist jedoch widerleglich: zeigt sich der Hund in einer Verhaltensprüfung, welche in Baden-Württemberg vor einem im öffentlichen Dienst beschäftigten Tierarzt und einem Polizeihundeführer abgelegt wird, als nicht aggressiv und nicht gefährlich, kann die Ortspolizeibehörde die Widerlegung der Kampfhundeigenschaft amtlich feststellen. Zu dieser Prüfung können weitere sachkundige Personen dazugezogen werden.

Unwiderleglich als Kampfhund gilt ein hier gelisteter Hund nach einem Beißvorfall.

Kampfhund kraft Rasse und Feststellung im Einzelfall – Kategorie 2

Hunde der hier gelisteten Rassen können im Einzelfall als Kampfhund gelten:

  • Bullmastiff
  • Staffordshire Bullterrier
  • Dogo Argentino
  • Bordeaux Dogge
  • Fila Brasileiro
  • Mastin Espanol
  • Mastino Napoletano
  • Mastiff
  • Tosa Inu

Zeigt ein Hund der hier gelisteten Rassen Anhaltspunkte auf gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren und bestätigen sich diese Anhaltspunkte nach einer entsprechenden Prüfung, kann durch die Ortspolizeibehörde amtlich die Kampfhundeigenschaft festgestellt werden. Als entsprechende Anhaltspunkte listet die Verwaltungsvorschrift auf:„insbesondere Schnappen nach Dritten, betont aggressives Anknurren und Anbellen Dritter, wildes und aggressives Zerren an der Leine, gefahrbringendes Anspringen oder Verfolgen von Dritten oder bei gesteigerter Aggressivität des Muttertieres gegenüber den Welpen oder den Welpen untereinander.“

Gefährliche Hunde

Als gefährlich gelten einzelne Hunde unabhängig ihrer Rassezugehörigkeit, die

"(...) bissig sind, in aggressiver oder gefahrdrohender Weise Menschen oder Tiere anspringen oder zum unkontrollierten Hetzen oder Reißen von Wild oder Vieh oder anderen Tieren neigen."

§2 PolVOgH

Über die Gefährlichkeit eines Hundes wird im Einzelfall entschieden.

Vorschriften für gefährliche Hunde und "Kampfhunde"

Kampfhunde unterliegen einem Zucht- und Vermehrungsverbot. Baden-Württemberg schreibt dazu auch die Kastration vor. Ein Nachweis über die Unfruchtbarmachung muss der Ortspolizeibehörde vorgelegt werden.

Erlaubnispflicht für gefährliche Hunde

Für das Halten von Kampfhunden ab einem Alter von sechs Monaten gilt eine Erlaubnispflicht.

Eine Erlaubnis wird durch die Ortspolizeibehörde erteilt bei Vorliegen folgender Voraussetzungen: Der Antragsteller muss ein berechtigtes Interesse an der Haltung des Hundes nachweisen. Gegen seine Zuverlässigkeit und Sachkunde dürfen keine Bedenken bestehen. Als sachkundig gilt, wer über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt, den Hund jederzeit so zu halten und zu führen, dass von diesem keine Gefahr für Mensch oder Tier ausgeht. Zum Nachweis der Sachkunde wird eine Prüfung in Theorie und Praxis abgelegt. Auf die Theorieprüfung wird verzichtet bei Personen mit einen abgeschlossenem Tiermedizinstudium, mit Polizeihundeführerausbildung, bei Tierpflegern oder ähnlichen Berufen, bei Inhabern einer §11 Tierschutzgesetz-Erlaubnis (z.B. Tierheimbetreiber, Tierpensionen, etc.), Leistungsrichtern oder Ausbildungsleitern in einem Hundesportverbands usw. Die praktische Prüfung muss jeweils mit dem betroffenen Hund absolviert werden.

Der als gefährlich geltende Hunde muss gekennzeichnet sein und über eine Haftpflichtversicherung verfügen. Baden-Württemberg präferiert Kennzeichnungen, welche ohne technische Mittel zu lesen sind, und zieht damit eine Tätowierung dem Chip vor. Zudem muss der Hund ausbruchssicher untergebracht sein. Die Erlaubnis kann befristet und mit Auflagen verbunden werden.

Gefährliche Hunde in der Öffentlichkeit

Gefährliche Hunde und Kampfhunde müssen ein Halsband tragen, an welchem eine Kennzeichnung angebracht ist, aufgrund derer der Halter ermittelt werden kann. Für gefährliche Hunde und für Kampfhunde ab einem Alter von sechs Monaten gelten in der Öffentlichkeit Leinen- und Maulkorbpflicht. Die Leine darf nicht länger als zwei Meter sein, solange Menschen und Hunde sich in der näheren Umgebung aufhalten. Die Leinenpflicht kann für Hunde der Kategorie 2 und für gefährliche Hunde im Einzelfall aufgehoben werden. Möglich wird dies z.B. nach Bestehen einer anerkannten Gehorsamsprüfung. Kampfhunde und gefährliche Hunde dürfen in der Öffentlichkeit nur einzeln geführt werden. Die Erlaubnis zur Haltung des Hundes ist stets mitzuführen und auf Verlangen vorzuzeigen. Kampfhunde und gefährliche Hunde dürfen in der Öffentlichkeit nur Personen überlassen werden, welche den Hund sicher führen und zuverlässig sind.

Weitere Regelungen

Nicht betroffen von der Verordnung sind Jagdhunde, Blindenhunde, Rettungshunde und Tiere, die als Schutz- oder Wachhunde fachgerecht ausgebildet und gehorsam sind.

Bei Zuwiderhandlungen gegen die Verordnung drohen Bußgelder bis zu 25.565 Euro.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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