In Bayern gelten bereits seit 1992 bestimmte Hunderassen als gefährlich. Die „Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit" listet Rassen in zwei Kategorien. Für sogenannte Kampfhunde sind strenge Vorschriften zu beachten. Zudem können auch große Hunde in Bayern speziellen Regelungen unterliegen.

Pflichten für alle Hundehalter

Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern

Die jeweilige Gemeinde kann zur Benutzung des Eigentums und der öffentlichen Einrichtungen der Gemeinde, z. B. Kinderspielplätze, Grünanlagen, oder Parkanlagen, spezielle Regelungen erlassen, z. B. Leinenpflichten. Ob diese Regelungen nur für bestimmte Hunde oder für alle Hunde gelten, entscheidet die jeweilige Gemeinde.

Bayrisches Jagdgesetz

Ferner gilt für alle Hunde das Verbot unbeaufsichtigten Freilaufs in einem Jagdrevier. Dabei ist ausschlaggebend, dass der Hund sich im Einwirkungsbereich des Hundehalters befindet.

Gefährliche Hunde der Kategorie 1

In der Kategorie 1 werden folgende Rassen gelistet:

  • Pitbull
  • Bandog
  • Staffordshire Bullterrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Tosa-Inu
  • alle Kreuzungen dieser Rassen untereinander oder mit anderen Hunden

"Kampfhunde"

Hunde der in Kategorie 1 gelisteten Rassen gelten grundsätzlich und unwiderleglich als gefährlich und aggressiv. Diese Rassen werden in Bayern als Kampfhunde bezeichnet. Das Bayrische Landesstraf- und Verordnungsgesetz (LstVG) § 37 (1) definiert folgendermaßen: „Kampfhunde sind Hunde, bei denen auf Grund rassespezifischer Merkmale, Zucht oder Ausbildung von einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen und Tieren auszugehen ist; das Staatsministerium des Inneren kann durch Verordnung Rassen, Kreuzungen und sonstige Gruppen von Hunden bestimmen, für welche die Eigenschaft als Kampfhunde vermutet wird."

Erlaubnispflicht für Hunde der Kategorie 1

Die Haltung eines Hundes der Kategorie 1 ist in Bayern erlaubnispflichtig. Voraussetzungen zur Erteilung der Erlaubnis sind u.a. die Zuverlässigkeit des Halters, sowie der Nachweis eines berechtigten Interesses an der Haltung des Hundes. Hierzu zählt z.B. die Bewachung eines gefährdeten Besitztums. Schließlich dürfen auch keine Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz drohen. Eine Haftpflichtversicherung für den Hund kann vorgeschrieben werden. Ein Verstoß gegen dieses Haltungsverbot kann mit einer Geldbuße bis zu 10.000€ geahndet werden. Für den Verstoß gegen das Verbot der Züchtung mit Rassen der Kategorie 1 kann eine Geldbuße bis zu 50.000€ verhängt werden.

Gefährliche Hunde der Kategorie 2

In der Kategorie 2 werden folgende Rassen gelistet:

  • Alano
  • American Bulldog
  • Bullmastiff
  • Bullterrier
  • Cane Corso
  • Dog Argentino
  • Dogue de Bordeaux
  • Fila Brasileiro
  • Mastiff
  • Mastin Espanol
  • Mastino Napoletano
  • Perro de Presa Canario (Dogo Canario)
  • Perro de Presa Mallorquin
  • Rottweiler
  • alle Kreuzungen dieser Rassen untereinander oder mit anderen Hunden

Widerlegbare Gefährlichkeitsvermutung für Hunde der Kategorie 2

Hunde der Kategorie 2 gelten als gefährlich und aggressiv, solange nicht das Gegenteil nachgewiesen wurde. Hierzu muss jeweils im Einzelfall ein Sachverständigengutachten belegen, dass das Tier keine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren aufweist. Auf der Grundlage dieses Gutachtens wird ein sogenanntes Negativzeugnis erteilt, welches den Hund von den speziellen Vorschriften für gefährliche Hunde befreit. Ohne Negativzeugnis fallen die Hunde ebenfalls unter die bayrischen Regelungen für Kampfhunde. Das Gutachten wird in der Regel erst im Alter von ein bis zwei Jahren erstellt. Bis dahin kann sich der Hundehalter von der Behörde ein vorläufiges, also zeitliches befristetes Negativzeugnis ausstellen lassen.

Gefährlichkeit durch Ausbildung

Ergänzend zu den Hunden der Kategorien 1 und 2 kann im Einzelfall ein Hund rasseunabhängig aufgrund seiner Ausbildung mit dem Ziel einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit als Kampfhund eingeordnet werden.

Die Ausbildung eines Hundes mit dem Ziel gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Mensch oder Tier darf nur durchführen, wer eine entsprechende Erlaubnis der Kreisverwaltungsbehörde besitzt. Hierzu muss der Antragssteller sachkundig und zuverlässig sein und die Ausbildung darf nur zu Schutzzwecken erfolgen. Die unerlaubte Ausbildung auf gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 50.000€ geahndet werden.

Weitere Regelungen

Leinenpflichten für Kampfhunde und große Hunde

§18 des Landesstraf- und Verordnungsgesetz ermöglicht es der jeweiligen Gemeinde, zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder die öffentliche Reinlichkeit in öffentlichen Anlagen, auf öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen durch Verordnung Leinenpflichten zu erlassen. Diese Leinenpflichten können sich ausschließlich auf Kampfhunde und/ oder große Hunde beschränken. §18 LstVG schreibt weiter vor, dass der räumliche und zeitliche Geltungsbereich der Leinenpflichten auf die örtlichen Verhältnisse abzustimmen und dem Bewegungsbedürfnis des Hundes Rechnung zu tragen ist. Im Einzelfall kann die Gemeinde auch weitere Sicherheitsmaßnahmen, z.B. Maulkorbzwang, Schließvorrichtungen, oder Warnschilder an Grundstücken, anordnen.

Gerichtsurteile hierzu finden Sie auch im Artikel Einstufung von Hunden als gefährlich.

Große Hunde

Als große Hunde gelten in Bayern Hunde mit einer Schulterhöhe von mindestens 50 Zentimetern.

"Kampfhunde"

Als Kampfhunde gelten, wie oben beschrieben, Hunde der Kategorie 1 und Hunde der Kategorie 2 ohne Negativzeugnis, sowie mit dem Ziel einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit ausgebildete Hunde.

Gefahr bereits durch Erscheinungsbild des Hundes

Die Beschränkung von Leinenpflichten auf große Hunde und Kampfhunde soll es laut Gesetzgeber ermöglichen, Passanten vor einer subjektiv empfundenen Bedrohung durch frei laufende Hunde zu schützen, und gleichzeitig im Interesse einer tierschutzgerechten Haltung Leinenzwänge auf das notwendige Maß zu beschränken. In Bayern geht der Gesetzgeber davon aus, dass z.B. ein Bullterrier, auch wenn er einen Wesenstest abgelegt hat und bisher ohne jegliche Auffälligkeiten war, alleine aufgrund seines Erscheinungsbildes durch freies Umherlaufen Angst oder sogar Schock hervorrufen kann, was als Gesundheitsbeeinträchtigung bewertet wird. In Bayern geht also bereits vom Erscheinungsbild eines Hundes eine konkrete Gefahr aus!

© Dunia Thiesen-Moussa

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Einstufung von Hunden als gefährlich

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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