Das gewerbsmäßige Hundetraining unterliegt seit dem 01.08.2014 einer Erlaubnispflicht. Zur Entscheidung über die vorliegende Sachkunde wird der Einzelfall betrachtet. Mittlerweile gibt es verschiedene Gerichtsurteile zum Genehmigungsverfahren. Das Verwaltungsgericht Ansbach schlug mit zwei Urteilen vom 13.03.2017 einen neuen Weg ein, indem es die bisherige Berufserfahrung der Hundetrainer als ausreichenden Sachkundenachweis betrachtet.

Schutzhundeausbilder gilt als sachkundig

In einem Fall (Aktenzeichen AN 10 K 15.01385) urteilte das VG Ansbach am 13.03.2017, dass zum Nachweis der Sachkunde neben Ausbildungsnachweisen auch der bisherige berufliche und sonstige Umgang mit Tieren geeignet ist. In diesem Fall klagte ein Hundetrainer, der seit 1996 als Diensthundeführer und -ausbilder, seit 2004 als Hundetrainer für Problemhunde sowie als ehrenamtlicher Betreuer von Hunden in Tierheimen und zur Schulung von Gassi-Gehern aktiv ist. Am 17.06.2014 beantragte er die Erlaubnis nach §11 Absatz 1 Satz 1 Nr. 8f) Tierschutzgesetz, legte seine Ausbildungsnachweise und bisherige Referenzen vor (u.a. Ausbildungsnachweise privater Institute, Ausbildung zum Ausbilder für Diensthunde und Diensthundeführer bei einer staatlich anerkannten Schule für Sicherheit, Bescheinigung eines öffentlich bestellten Hundesachverständigen). Das Veterinäramt forderte ein Fachgespräch. Dieses lehnte der Hundetrainer ab. Am 21.08.2016 erhob der Hundetrainer Klage. Er sah den erforderlichen Sachkundenachweis mit den eingereichten Unterlagen erbracht, da er auch die Anforderungen nach §11 Absatz 1 Satz 1 Nummer 6 Tierschutzgesetz (Schutzhundeausbildung) erfüllt und er aufgrund seiner Ausbildung und seiner bisherigen beruflichen Tätigkeit einen Anspruch auf die Erlaubnis habe. Das Gericht schloß sich mit dem Urteil vom 13.03.2017 dieser Sichtweise an. Es urteilte, dass der Hundetrainer den Sachkundenachweis durch die vorgelegten Nachweise erbracht habe und bezeichnete es als unverhältnismäßig, bei Einführen einer neuen Erlaubnispflicht für einen bereits bestehenden Berufszweig die bisherige berufliche Erfahrung bei den Prüfungen der Genehmigungsvoraussetzungen außen vor zu lassen.

Zusätzlich interessant ist an diesem Fall eine im Urteil erwähnte Beschwerde dazu, dass der Trainer einen Hund im Training mit einer Wurfkette getroffen hatte. Im Urteil heißt es hierzu: „Aus der Beschwerde geht hervor, dass der Kläger den Hund mit einer Wurfkette getroffen hat. Dies ist im Sinne des Tierschutzes nicht akzeptabel. Da der Kläger jedoch dargelegt hat, dass er generell mit Wurfketten arbeitet, um bei seinem Aggressionstraining das Situationstraining notfalls zu beenden, ohne mit den Ketten den Hund treffen zu wollen, kann hier nicht davon ausgegangen, dass der Kläger bei dem beanstandeten Vorfall gezielt nach dem Hund geworfen hat. Der Vorwurf der Tierschutzwidrigkeit ist daher nicht zu belegen.“

Berufserfahrung ist ausreichend

In einem zweiten Fall (Aktenzeichen AN 10 K 16.00925) urteilte das VG Ansbach am 13.03.2017 ähnlich. In diesem Fall klagten zwei Hundetrainer, die seit 2009 individuelles Hundetraining anbieten und als Ausbilder im Landesverband für Hundesport bzw. in einer Rettungshundestaffel aktiv sind. Sie belegten eine jährliche Kundenzahl von circa 80 Hunden. Beide Hundetrainer hatten am 27.07.2014 die Erlaubnis nach §11 Absatz 1 Satz 1 Nr. 8f) Tierschutzgesetz beantragt und vorhandene Ausbildungsnachweise beigefügt (Ausbildungsnachweise privater Institute, v.a. Deutsche Hundewelten Verband, Lehrgang beim Bayerischen Landesverband für Hundesport (BLV)). Auch in diesem Fall forderte das Veterinäramt ein Fachgespräch. Auch hier lehnten die Hundetrainer das Fachgespräch ab. Nachdem im Mai 2016 die Tätigkeit untersagt wurde, legten die Hundetrainer Klage ein. Das Gericht urteilte am 13.03.2017, dass in diesem Fall die bisherige Berufserfahrung der Hundetrainer, belegt durch Steuerunterlagen, ausreicht, um die Sachkunde nachzuweisen. Die vorgelegten Ausbildungsnachweise fanden in diesem Fall keine weitere Beachtung.

Anerkennung der Sachkunde bleibt Einzelfallentscheidung

Die Entscheidung über die Sachkunde bleibt weiterhin eine  Einzelfallentscheidung. Nachdem in den letzten Jahren verschiedene Urteile ergangen waren, welche die Beschränkung auf einzelne Ausbildungsgänge ablehnten oder ein Fachgespräch als Sachkundenachweis unterstützten, schlagen diese zwei Urteile mit dem Verweis auf die bisherige Erfahrung der Hundetrainer einen neuen Weg ein. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Genehmigungsverfahren weiter entwickelt.

Interessant besonders für Hundetrainer in Bayern ist diese beantwortete schriftliche Anfrage zur Prüfung zum Hundetrainer durch den Freistaat Bayern.

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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