Hündin mit Welpen

In Dänemark gilt seit dem 01.07.2010 ein Hundegesetz, welches die Haltung, Zucht und Einfuhr bestimmter Hunderassen verbietet. Über die Rassezugehörigkeit des Hundes, sowie über die Gefährlichkeit auffällig gewordener Hunde, bestimmt die Polizei - und kann neben Leinen- und Maulkorbpflicht auch die Tötung anordnen. 

Striktes Rasseverbot in Dänemark

Rasselisten in Dänemark

In Dänemark sind seit dem 01.07.2010 die Haltung, Zucht und Einfuhr von Hunden der folgenden 13 Rassen verboten:

  • Pitbull Terrier,
  • Tosa Inu,
  • Amerikanischer Staffordshire Terrier,
  • Fila Brasileiro,
  • Dogo Argentino,
  • Amerikanische Bulldogge,
  • Boerboel,
  • Kangal,
  • Zentralasiatischer Ovtcharka,
  • Kaukasischer Ovtcharka,
  • Südrussischer Ovtcharka,
  • Tornjak und
  • Sarplaninac.

Auch Mischlinge dieser Rassen sind von dem Verbot betroffen. Für den Nachweis der Abstammung gilt das Prinzip der Beweislastumkehr: Kann der Halter keinen akzeptierten Nachweis erbringen, kann die Polizei den Hund als einer verbotenen Rasse zugehörig erklären und die Entscheidung treffen, den Hund einzuschläfern.

Update: Seit dem 01.07.2014 hat der Halter eines Hundes das Recht, einen Hundesachverständigen hinzuzuziehen, wenn die dänische Polizei beschlossen hat, seinen Hund einzuschläfern. Welche Ausbildung diese Person haben muss, wird jedoch nicht definiert.

Eine Übergangsregelung besteht für Hunde der gelisteten Rassen, die bereits vor dem 17.03.2010 angeschafft worden sind. Diese Hunde müssen auf öffentlichen Wegen an einer maximal 2-Meter langen Leine geführt werden und müssen in der Öffentlichkeit stets einen sicher verschlossenen Maulkorb tragen. Für Pitbulls und Tosa Inus gilt diese Übergangsregelung jedoch nicht, da sie bereits vor dem 01.07.2010 verboten waren.

Die Durchfahrt durch Dänemark ist „verbotenen“ Hunden erlaubt, solange der Hund nur kurzzeitig das Auto verlässt.

Unwissenschaftliche und willkürliche Handhabung

Rasselisten in Deutschland

Auch in mehreren deutschen Bundesländern werden Hunde aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit als „gefährlich“ eingestuft. Dies ist wissenschaftlich nicht nachvollziehbar! Ganz im Gegenteil – wissenschaftlich betrachtet existieren keine „gefährlichen“ oder „ungefährlichen“ Rassen. Wissenschaftliche Studien haben wiederholt belegt, dass ein Hund nicht aufgrund seiner Rassezugehörigkeit pauschal als „gefährlich“ oder „ungefährlich“ eingestuft werden kann; haben gezeigt, dass bei artgerechter Zucht und Aufzucht keinerlei Unterschiede in der Gefährlichkeit verschiedener Hunderassen besteht; haben „Kampfhunderassen“ gute soziale Verträglichkeit bescheinigt - und haben dazu beigetragen, dass entsprechende Rasselisten in mehreren deutschen Bundesländern wieder abgeschafft wurden. Die Auflistung einzelner Rassen als „gefährlich“ kann daher nur willkürlich vorgenommen werden und ist strikt abzulehnen! 

Keine Kontrolle über Tötungen

Greift ein Hund (egal welcher Rasse) eine Person an, fügt er ihr erheblichen Schaden zu, oder gibt es Grund zur Annahme, dass von dem Hund eine Gefahr für die Umwelt ausgeht, kann die dänische Polizei für diesen Hund Leinen- und Maulkorbpflicht oder gar die Einschläferung anordnen. Die Polizei holt die Hunde bei ihren Haltern ab und bringt sie zum Einschläfern. Werden die Tiere nicht sofort eingeschläfert, kommen sie in Tierheimen unter, in denen die Tiere meist nur schlecht versorgt werden. Auch dieses Vorgehen ist kritisch zu beurteilen, da ein Polizist nicht entsprechend ausgebildet ist, um die Gefährlichkeit eines Hundes korrekt einschätzen zu können. Das Leben der Hunde hängt daher von der Willkür nicht sachverständiger Beamter ab.

Update: Seit dem 01.07.2014 hat der Halter eines Hundes das Recht, einen Hundesachverständigen hinzuzuziehen, wenn die dänische Polizei beschlossen hat, seinen Hund einzuschläfern. Welche Ausbildung diese Person haben muss, wird jedoch nicht definiert.

Der Fall "Thor"

Über 1400 Hunde sollen seit In-Kraft-Treten des Gesetzes bereits getötet worden sein. Bis zum 01.07.2013 soll das Gesetz revidiert werden. Zur Diskussion steht dabei sogar eine Erweiterung der Rasseliste. Nicht nur Hundehalter protestieren dagegen.

Dänische Ferienhausanbieter fordern das dänische Parlament auf, das Gesetz wieder abzuschaffen. Aktuell beschäftigt der Fall „Thor“ die Medien.

Der Hund soll eingeschläfert werden, da er einer verbotenen Rasse angehören soll. Laut Angaben der Halter trifft dies nicht zu. Dem Verein „Fair dog“ ist es gelungen, den Fall im Dezember 2012 vor Gericht zu bringen und eine Aufschiebung der Einschläferung bis zum Ende der Verhandlungen zu bewirken. Ein vom Gericht bestimmter Gutachter sollte nun sein Gutachten über die Abstammung des Hundes abgeben. Allerdings wurde „Thor“ in der Nacht vom 09./10.März entwendet. Das Ende des Falls bleibt weiter offen.

Alternative Lösungsansätze

Das Bestreben nach einem sicheren Miteinander von Mensch und Hund ist grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings sollten Entscheidungen mit dem nötigen Fachwissen getroffen werden und nicht willkürlicher Meinungsmache entspringen. Lobend zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang z.B. das Niedersächsische Hundegesetz, dass ab dem 01.07.2013 für jedes Hunde-Halter-Team, unabhängig der Rassezugehörigkeit, einen Sachkundenachweis fordert. 

Update: Ferner ist es Grundbesitzern seit dem 01.07.2014 nicht mehr erlaubt, Hunde abzuschießen, die auf ihrem Grund herumstreunen. Bei wiederholten Vorfällen kann der Halter des Hundes zur Zahlung eines Bußgeldes verpflichtet werden.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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