Volkstümlich wird davon ausgegangen, dass unsere überaus wahrnehmungsbegabten Hauskatzen eine außergewöhnliche Sinneswahrnehmung, sogenannte „ASW“ besitzen. Dies ist nicht der Fall. Der Grund aber für diese Annahme ist der, dass die Katze als Beutegreifer extrem scharfe Sinne besitzt, die denen des Menschen in vielen Fällen weit überlegen sind. Daher können wir oft gar nicht nachvollziehen, woher die Katze nun Dinge „voraussehen“ konnte, die wir nicht haben kommen sehen. Nachdem in Die Sinne der Katze - Teil 1 das Sehen und in Die Sinne der Katze - Teil 2 das Hören und Riechen der Katze erläutert wurden, werden in Teil 3 der Geschmackssinn, der Tastsinn, der Gleichgewichtssinn und die Selbstwahrnehmung der Katze thematisiert.

Was schmeckt die Katze?

Die Zunge der Katze kann zwischen den Geschmacksrichtungen salzig, sauer, bitter und umami („herzhaft“) unterscheiden.

Lange haben Wissenschaftler diskutiert, ob die Katze auch Süßes schmecken kann. Mittlerweile ist man sich einig, dass sie es zwar kann, allerdings bei der Wahl ihrer bevorzugten Proben zumindest in Versuchen den Süßigkeitsfaktor nicht berücksichtigt, da er keine oder nur eine sehr geringe Bedeutung für sie hat.

Wie schmeckt die Katze?

Sogenannte sensorische Papillen oder Geschmacksknospen (also die Organe, mithilfe derer die Geschmäcker wahrgenommen werden) liegen an der Zungenspitze, der Seite und dem hinteren Teil der Zunge, sodass unmittelbar nach Kontakt mit Futter die ersten geschmacklichen Eindrücke erfolgen, wobei die sauren Geschmacksrichtungen die stärksten Reaktionen auslösen, gefolgt von bitter und dann salzig. In der Mitte der Zunge befinden sich keine Geschmacksknospen, sondern ausschließlich große, raue und nach hinten gerichtete, nicht-sensorische Papillen, die nichts mit dem Geschmackssinn zu tun haben, sondern nur dazu da sind, Fleisch von Knochen abzuschaben oder das Fell zu putzen.

Da zum Beispiel Tomaten und Käse einen starken Anteil an umami tragen, kann so das Rätsel gelöst werden, weshalb es viele Katzen lieben, die Reste von Herrchens oder Frauchens Tomatensoße mit Käse zu plündern.

Warum trinken viele Katzen kein frisches Wasser?

Ein Bereich, in dem Katzen sehr sensibel sein können, was den Geschmack angeht, ist die Akzeptanz des angebotenen Trinkwassers. Oft verweigern sie frisches Wasser, denn diesem sind häufig Chemikalien, wie zum Beispiel Chlor zu Desinfektionszwecken zugesetzt. Auch wenn nur geringe Mengen darin enthalten sind, die wir Menschen gar nicht wahrnehmen, verschmäht die Katze dieses für sie unangenehm schmeckende Wasser. Den gleichen Effekt können beispielsweise auch Spülmittelrückstände in der Wasser- oder Futterschüssel haben.

Warum bevorzugen viele Katzen erwärmtes Futter?

Die Temperaturwahrnehmung auf der Zunge wiederum ist sehr empfindlich. Die Vorfahren unserer Stubentiger verzehrten gerne die frisch erlegte Beute, die noch körperwarm war und auch die heutige domestizierte Hauskatze bevorzugt daher Futter mit einer Temperatur von 34°C, was exakt der Temperatur der Katzenzunge entspricht. Daher verweigert das ein oder andere Individuum kühlschrankkaltes Futter, was darüber hinaus auch aus gesundheitlichen Gründen nicht angeboten werden sollte, da manche Katzen mit Verdauungsstörungen, wie z.B. Durchfall, darauf reagieren.

Wie fühlt die Katze?

Der Tastsinn der Feliden ist bereits ab der Geburt stark ausgeprägt, so dass neugeborene Welpen schon sensibel auf Berührungen reagieren. Über die ganze Körperoberfläche sind vielzählige empfindliche Nervenenden verteilt, wobei sie an Nasenspiegel, Ohrmuscheln und am unbehaarten Teil der Sohlenflächen in besonders hoher Dichte vorliegen.

Welche Funktion haben die Schnurrhaare der Katze?

Eine spezielle Art des Tastsinnes erfolgt über die Vibrissen, das sind Sinnes- oder Tasthaare an Oberlippe (auch Schnurrhaare genannt, die aber mit dem Schnurren nichts zu tun haben) und Augenbrauen, die der Naherkundung der Umwelt dienen. Durch sie können Katzen beispielsweise ertasten, ob ein schmaler Durchgang breit genug ist, damit sie hindurch passen oder der Lidschlussreflex wird ausgelöst, wenn ein Fremdkörper die Tasthaare über den Augen berührt. Auch Beutetiere, die sich unmittelbar vor einer Katze befinden und damit nicht mehr scharf gesehen werden können oder solche, die die Katze bereits im Maul hat, werden über die Schnurrhaare ertastet. Die Tasthaare legen sich um den Körper des Beutetieres und „lesen“ den Umriss dessen. So können Lageveränderungen einer noch lebenden Maus im Maul sofort bemerkt werden und die Katze greift nach, sodass die Maus nicht aus dem Fang entkommen kann. Wissenschaftliche Beobachtungen zeigten, dass Katzen mit beschädigten oder fehlenden Schnurrhaaren im Dunkeln daher den Tötungsbiss oft nicht erfolgreich durchführen können. Es ist also (zumindest für Katzen, die auf den Nahrungserwerb außerhalb der heimischen Küche angewiesen sind) lebensnotwendig, diese feinen Tastorgane in unversehrter Form zu besitzen.

Darüber hinaus werden auch Luftströme über die Tasthaare wahrgenommen. Dies ermöglicht es der Katze auch im Dunkeln sicher Gegenstände zu umgehen ohne sie zu berühren, da die Gegenstände Luftwirbel erzeugen, die von den feinen Tasthaaren erfasst werden.

Anatomisch gesehen sind die Vibrissen willkürlich bewegliche, stark verdickte, steife und verlängerte Haare, die dreimal so tief verankert sind, wie die normalen Haare und mit einer Vielzahl von Nervenenden verbunden sind, die jede Information umgehend an das Gehirn weiterleiten, was ihre extreme Sensibilität erklärt. So kann die Katze gezielt mit den Schnurrhaaren tasten, um beispielsweise Hindernisse zu erkunden.

Auch an den Wangen, am Kinn und an der Rückseite der Vorderbeine besitzen Katzen weitere solcher Tastorgane.

Wie orientiert sich die Katze im Raum?

Der Gleichgewichtssinn ist eine weitere außergewöhnliche Fähigkeit der Katze, die als kletterndes und springendes Tier darauf angewiesen ist beispielsweise im freien Fall blitzschnell ihre Position so zu korrigieren, dass sie auf ihren Pfoten landet. In weniger als einer Zehntelsekunde nach dem Fall registriert das Gleichgewichtsorgan die Lage des Kopfes (und damit indirekt die Lage des ganzen Körpers) und korrigiert, beginnend beim Nacken, dessen Lage. Im Folgenden werden dann erst die Vorder- und dann die Hinterbeine unter den Bauch geschoben und die Katze landet schließlich auf den Beinen.

Dieser Sinn ermöglicht es ihr außerdem, auf schwankenden Ästen und schmalsten Wegen zu balancieren, ohne herunter zu fallen.

Der Vestibularapparat

Verantwortlich für diese Fähigkeit ist der Vestibularapparat im Innenohr der Katze, der aus flüssigkeitsgefüllten Röhrchen besteht. Sinneshaare nehmen sensibel Lageveränderungen über Bewegungen der Flüssigkeit wahr. Drei dieser Röhren sind die sogenannten Bogengänge, in denen je eine der drei Richtungsdimensionen registriert werden. Die anderen beiden Röhrchen enthalten winzige Kristalle, die die Härchen der Schwerkraft folgend, nach unten hängen lassen. So weiß die Katze immer wo oben ist und darüber hinaus, wie schnell sie sich in welche Richtung bewegt.

Wie nimmt die Katze sich selber wahr?

Die Selbstwahrnehmung des Stubentigers wird in der Wissenschaft anhand eines bestimmten Versuchs getestet. Dazu wird ein farbiger Punkt auf der Stirn der Tiere angebracht und es wird beobachtet, wie sie darauf reagieren, wenn sie sich im Spiegel entdecken. Andere Tierarten, wie zum Beispiel Delfine und Elefanten, erkennen sich selbst im Spiegel. Dies beweist deren Reaktion, nämlich dass sie nicht an ihrem Spiegelbild, sondern in ihrem eigenen Gesicht versuchen, den Punkt zu entfernen. Anhand des entweder nicht vorhandenen oder aggressiven Verhaltens in diesen Versuchen mit Katzen geht man davon aus, dass die Katze nicht sich selbst erkennt, sondern einen Artgenossen im Spiegelbild vermutet und daher keine Selbstwahrnehmung hat.

Informationen zum Autoren
Sabine Schneider
Name
Sabine Schneider
Studentin der Veterinärmedizin
Über mich
Seit 2011 studiere ich Tiermedizin an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Nach dem Abschluss meines Studiums 2017 möchte ich gerne in der Kleintiermedizin tätig werden.

Mein Motto
Mit (Selbst-)vertrauen und Konsequenz ist jedes Ziel erreichbar.

Tätigkeiten
2-jährige Ausbildung zur Tiermedizinische Fachangestellten, anschließend 2-jährige Tätigkeit als TFA, seit 2011 Studium der Veterinämedizin

Was halten Sie davon?