Volkstümlich wird davon ausgegangen, dass unsere überaus wahrnehmungsbegabten Hauskatzen eine außergewöhnliche Sinneswahrnehmung, sogenannte „ASW“ besitzen. Dies ist nicht der Fall. Der Grund aber für diese Annahme ist der, dass die Katze als Beutegreifer extrem scharfe Sinne besitzt, die denen des Menschen in vielen Fällen weit überlegen sind. Daher können wir oft gar nicht nachvollziehen, woher die Katze nun Dinge „voraussehen“ konnte, die wir nicht haben kommen sehen. Nachdem in Die Sinne der Katze - Teil 1 das Sehen der Katze erläutert wurde, geht Die Sinne der Katze - Teil 2 dem Hör- und Riechvermögen der Katze nach.

Wie hört die Katze?

Aufgrund ihres feinen Gehörs können Katzen minimale Geräusche bis in den Ultraschallbereich wahrnehmen und daher im Vergleich zum Menschen sehr viel höhere Frequenzen (bis zu 60 - 100 kHz) hören. Damit sind sie selbst dem Hund überlegen, der bis zu 50 kHz hört. Der biologische Sinn dabei liegt darin begründet, dass Katzen als lauernde Jäger auf die hochfrequenten Lautäußerungen der Beutetiere, zum Beispiel das Piepsen einer Maus, achten müssen. Da tiefe Töne hierbei eine unerhebliche Rolle spielen, gibt es hinsichtlich deren Wahrnehmung kaum Unterschiede zu Mensch und Hund. Ebenso können Katzen Lautstärken in so minimaler Intensität wahrnehmen, dass sie sogar die Lautäußerungen von potentieller Beute unter der Erde hören.

Allerdings lässt dieses bewundernswerte Hörvermögen bereits ab einem Alter von ca. fünf Jahren nach und im hohen Alter sind viele Katzen nahezu taub.

Wie ortet die Katze die Geräusche?

Darüber hinaus kann eine Katze auch die Geräuschquelle, also die Richtung, aus der beispielsweise eine Maus Laute von sich gibt, auf bis zu 20 Meter exakt lokalisieren, indem die Ohrmuscheln mithilfe von 20 verschiedenen Muskeln in die Richtung des Geräusches gerichtet werden. Dabei wird im Gehirn abgeglichen, welches der beiden Ohren das Geräusch zuerst erreicht. Durch die Bewegung der Muskulatur wird dann die Ohrmuschel sich der Geräuschquelle zu - oder abgewandt und dadurch die Position exakt bestimmt. So können zwei Geräuschquellen, die 40 cm auseinander liegen, genau differenziert werden. Auch zwei Geräusche, die aus derselben Richtung kommen, aber aus unterschiedlicher Entfernung oder aber zwei Geräusche, die nur einen halben Ton voneinander abweichen, können auseinandergehalten werden.

Wie riecht die Katze?

Die Nase unserer Hauskatze ist im Vergleich zum Menschen mit zehn Mal mehr Riechzellen ausgestattet und auch deutlich stärker ausgebildet als ihr Geschmacksvermögen. Allerdings ist der Geruchssinn der Katze, im Vergleich zu anderen Fleischfressern, aufgrund der relativ kurzen Katzennase und des daher kleinen Riechepithels und der ebenso kleinen Geruchszentren im Gehirn, eher gering ausgeprägt und auch weitaus schwächer als der Gesichts- und Gehörsinn der Katze.

Katzen nutzen ihren Geruchssinn hauptsächlich im Rahmen des Sozial- und Sexualverhaltens, nämlich um Pheromone (hormonähnliche Stoffe, die der innerartlichen Kommunikation dienen) wahrzunehmen. Die Duftstoffe von verschiedenen Artgenossen können sie unterscheiden und sogar einem bestimmten Artgenossen zuordnen.

Der Geruch des Futters

Ein zweiter wichtiger Bereich, in dem die sogenannte olfaktorische Wahrnehmung Anwendung findet, ist die Überprüfung der Fleisch- bzw. Futterqualität, denn obwohl sie eigentlich ein Beutegreifer ist und daher (abgesehen von der konventionellen Fütterung mit Dosen- oder Trockenfutter) nur frisches Fleisch verzehrt, kann es in Notsituationen dazu kommen, dass sie zum Aasfressen gezwungen ist und sich dann davor schützen muss, verdorbene Nahrung aufzunehmen. So kann sie bereits über eine gewisse Distanz entscheiden, ob das gefundene oder (manchmal zum Ärgernis der so bemühten Besitzer) ihr angebotene Futter ihren Vorstellungen entspricht oder eben nicht, ohne überhaupt gekostet zu haben.

Bei der Jagd jedoch spielt der Geruchssinn ein untergeordnete Rolle, denn hier kommt überwiegend die visuelle Wahrnehmung zur Anwendung. Im Dunkeln ist es aber durchaus möglich, dass die Katze ihre Beute bzw. deren Duftsignale im Urin mithilfe ihres Geruchssinns aufspürt. Dabei verfolgt sie aber nicht die Spur der Beute, wie der Hund es tut, sondern findet beispielsweise die Orte, an denen eine Maus Urin abgesetzt hat. Die Schwierigkeit besteht darin, dass diese nur selten mit dem derzeitigen Aufenthaltsort der Beute übereinstimmt.

Wie nimmt die Katze Pheromone wahr?

Eine Besonderheit im Gegensatz zum Menschen ist das Vomeronasalorgan (Jacobson´sche Organ), das sich im Maulhöhlendach befindet und es über chemische Rezeptoren ermöglicht, wasserlösliche Duftstoffe, die Pheromone, buchstäblich schmecken zu können. Da das paarige Organ mit Wasser gefüllt ist, müssen die Gerüche zuerst im Speichel gelöst werden, damit sie wahrgenommen werden können. Dazu flehmen die Katzen, wobei die Oberlippe zurückgezogen, der Kopf leicht angehoben und Luft direkt in das Vomeronasalorgan eingezogen wird. Oft kommt dieses Verhalten beim Erkunden von Sexualduftstoffen zum Einsatz oder zum Zweck der Identifikation von Sozialpartnern bzw. Artgenossen.

Informationen zum Autoren
Sabine Schneider
Name
Sabine Schneider
Studentin der Veterinärmedizin
Über mich
Seit 2011 studiere ich Tiermedizin an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Nach dem Abschluss meines Studiums 2017 möchte ich gerne in der Kleintiermedizin tätig werden.

Mein Motto
Mit (Selbst-)vertrauen und Konsequenz ist jedes Ziel erreichbar.

Tätigkeiten
2-jährige Ausbildung zur Tiermedizinische Fachangestellten, anschließend 2-jährige Tätigkeit als TFA, seit 2011 Studium der Veterinämedizin

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