Leinenführigkeit - Teil I

Für viele Hundehalter sind Spaziergänge ungewollt zu einem Kräftemessen mit dem eigenen Hund geworden. Oft bestimmt der Hund die Richtung und das Tempo, so dass man sich zurecht fragt, wer hier wen spazieren führt. Warum ziehen so viele Hunde an der Leine? Die Antwort ist letztlich ganz einfach.

Bei kleinen und bei jungen Hunden wird das Ziehen und Zerren an der Leine oftmals belächelt. Wird der Hund dann größer und schwerer, gelingt es dem Halter nur noch mit zunehmender Mühe, den Hund an der Leine zu kontrollieren. 

Erlernter Leinenzug

Mangelnde Leinenführigkeit ist eines der häufigsten Probleme von Hund und Halter. Selbst Hunde, die ausgezeichnet Fuß gehen, ziehen oft an der Leine, sobald das Fuß-Kommando aufgehoben ist. Aufgrund weit verbreiteter Leinenzwänge wird das Thema Leinenführigkeit zunehmend aktuell - auch für Halter, die ihren Hund am liebsten unangeleint laufen lassen.

Aber warum ziehen so viele Hunde an der Leine? Die Antwort ist letztlich ganz einfach – den meisten von ihnen wurde es (meist unbewusst) so beigebracht.

Hunde lernen aus Erfahrung

..und das 24 Stunden am Tag. So lernen sie nicht nur das, was wir mühsam mit ihnen trainieren, sondern eben auch das, was wir ihnen unbewusst den Rest des Tages über beibringen: Macht der Hund die Erfahrung, dass er am schnellsten an sein Ziel kommt, wenn er an der Leine zieht, wird dieses Verhalten mit jedem Erfolg erneut verstärkt. So bringt der Halter dem Hund ganz schnell das Ziehen bei. Dies gilt für Hunde jeden Alters. Hat der Hund erst einmal gelernt, sich gegen die Leine zu stemmen, um weiter vorwärts zu gelangen, ist es schwer, ihm dieses Verhalten später wieder abzugewöhnen. Da hilft es auch nicht, an manchen Tagen genervt stehen zu bleiben, wenn der Hund wieder einmal zieht.

Gelegentliches Stehenbleiben verstärkt

Gelegentliches Stehenbleiben bei Zug auf der Leine verschlimmert das Ziehen sogar – denn dann lernt der Hund, dass er, auch wenn es mal nicht sofort weitergeht, immer weiter ziehen muss, weil er früher oder später damit doch wieder Erfolg hat. Dieses Prinzip der intermittierenden Verstärkung (= unregelmäßig erfolgende Belohnung) ist bestens geeignet, Verhalten zu festigen.

Kontrolle durch den Halter

Auch die Impulskontrolle des Hundes und die Bindung zum Halter spielen eine wichtige Rolle – will der Hund, wie ein ungeduldiges Kind, beim Anblick seines Spielkameraden sofort loslaufen und achtet nicht mehr auf seinen Halter, fällt es ihm natürlich schwer, ruhig an der Leine zu gehen.

Spaziergang bis zum Leinenende

Schnuppern und Schnüffeln

Aber noch mehr Faktoren können dazu führen, dass der Hund an der Leine zieht - Während der Mensch gerne gemütlich schlendert, läuft der Hund viel lieber in zügigem Tempo, unterbrochen von kurzen bis ausgiebigen Schnüffelpausen. Ebenfalls wichtig ist die Leinenlänge. Hängt der Hund bereits nach drei Schritten am Leinenende, bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als an der Leine zu ziehen, um sich zu bewegen. Die Leine sollte auf Spaziergängen, auf denen der Hund nicht die ganze Zeit Fuß gehen soll, sondern auch schnuppern darf, mindestens drei Meter lang sein. Natürlich ist es auch wichtig, dass der Hund generell genügend Auslauf bekommt. Ist der Hund völlig unausgelastet, fällt es schwer, ihn im Zaum zu halten.

Ohne Stress und Angst

Zeigen Hunde auf Spaziergängen neben dem Ziehen an der Leine gestresstes oder ängstliches Verhalten, müssen zunächst die Ursachen für den Stress/ die Angst behoben werden. Auch aggressives Verhalten an der Leine muss entsprechend therapiert werden. In den meisten Fällen jedoch ziehen Hunde an der Leine, weil sie es so kennengelernt haben. Wie Sie dies vermeiden bzw. beheben können, darum geht es im zweiten Teil dieses Artikels.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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