Impfemfehlung zum Hund

Sie wollten schon immer einen Hund haben? Oder vielleicht sind Sie ja auch erst vor kurzem auf den Hund gekommen. Wichtig ist es, sich im Vorfeld gut zu informieren, um optimal auf den tierischen Begleiter vorbereitet zu sein. An dieser Stelle wollen wir Ihnen ein paar wichtige Informationen zum Thema Impfungen geben.

Überblick

Warum sollte ich meinen Hund impfen lassen?

Fangen wir damit an, was impfen überhaupt bedeutet

Die allgemein gebräuchlichste Verwendung des Wortes „Impfung“ ist medizinisch gesehen die Verwendung eines sogenannten Impfstoffes um ein Lebewesen (Mensch oder Tier) vor einer bestimmten übertragbaren Erkrankung zu schützen. Das wird vor allem deutlich in der Verwendung des Begriffs Impfschutz. Der Sinn einer jeden Impfung ist also ein Individuum davor zu schützen, krank zu werden.

Impfung schützt vor tödlichen Krankheiten

Dabei kommt es bei einigen Impfstoffen zur vollständigen Verhinderung der Erkrankung, während andere lediglich den Ausbruch der Krankheit verhindern oder die Symptome stark abschwächen. Dies ist aber gerade bei tödlich verlaufenden Krankheiten, wie z.B. der Tollwut definitiv ein erwünschtes Ergebnis. Der Impfschutz beruht darauf, dass in jedem Organismus das körpereigene Immunsystem aktiviert wird, wenn er mit einem Krankheitserreger oder mit als „körperfremd“ erkannten Substanzen in Berührung kommt.

Das Immunsystem kann man sich als eine Art Gesundheitspolizei vorstellen. Es besteht zum einen aus vielen verschiedenen Sorten an Zellen (den weißen Blutkörperchen), verschiedenen Botenstoffen und den sogenannten Antikörpern. Antikörper können sich an fremde Stoffe und Krankheitserreger anheften und diese unschädlich machen. Im Prinzip könnte man vereinfachend sagen, dass manche der Blutzellen wie Polizisten im Blut nach Eindringlingen suchen und sie verhaften und die Antikörper wie eine Art Handschellen dienen.

Vorurteile und Impf-Müdigkeit

Heutzutage bestehen viele Vorurteile gegenüber Impfungen und in der Bevölkerung macht sich eine Impfmüdigkeit breit. Eine der entscheidenden Ursachen hierfür ist darin begründet, dass durch den großen Erfolg der Impfungen in den letzten Jahrzehnten und im letzten Jahrhundert viele Infektionskrankheiten gerade in Deutschland weitestgehend zurückgedrängt und zum Teil sogar nahezu ausgerottet wurden. Der größte Misserfolg von Impfungen ist also ihr Erfolg (Prof. Dr. Heinz Schmitt, Universität Mainz). Das hört sich erst mal paradox an, wenn man aber länger darüber nachdenkt, beginnt man den Sinn dahinter zu verstehen.

Tatsache ist, dass gerade wenn eine hohe Durchimpfungsrate in einer Population erreicht wird, die Krankheitserreger keine Chance mehr haben zu überleben. Je besser also die Population geschützt ist (man spricht bei über 80 % Durchimpfungsrate von einem bestehenden Populationsschutz), desto geringer ist das Risiko für jeden einzelnen, der in dieser Population lebt, zu erkranken.

So entsteht der Impfschutz beim Welpen

Ausreifung des Immunsystems beim Welpen

Unmittelbar nach der Geburt ist das Immunsystem des Welpen noch nicht vollständig ausgereift und arbeitet noch nicht zuverlässig. Der Welpe nimmt nach der Geburt mit der sogenannten Biestmilch (Kolostrum) Antikörper auf, die von der Mutter gebildet wurden. Diese Antikörper können nur in den ersten Stunden über den Darm in den Blutkreislauf des Welpen gelangen, später werden sie verdaut und somit unbrauchbar.

Wichtig ist zu wissen, dass der Welpe somit nur solche Antikörper erhält, die die Mutter gebildet hat. Der Impfschutz der Mutter spielt eine entscheidende Rolle dabei, gegen welche Erkrankungen der Welpe in den ersten Tagen geschützt ist. Dieser mütterliche Schutz hält unterschiedlich lange an. In der Regel ist der Welpe jedoch, vorausgesetzt die Mutter hat ausreichend Antikörper produziert, die ersten sechs bis zwölf Lebenswochen gegen Erkrankungen geschützt.

Die erste Impfung des Welpen

Es ist üblich, die erste Impfung des Welpen in seiner achten Lebenswoche durchzuführen. Damit die Impfung ihren Zweck erfüllt, muss die Anzahl mütterlichen Antikörper unter einen gewissen Grenzwert gesunken sein. Die Zeit, in der nur noch wenige mütterliche Antikörper im Blutkreislauf des Welpen vorhanden sind, bis der Welpe eigene Antikörper aufgrund der Impfung bildet, nennt man immunologische Lücke. In dieser Phase kann der Welpe besonders anfällig für bestimmte Erkrankungen sein.

Damit der Welpe einen länger anhaltenden Schutz aufbaut, ist mindestens eine Wiederholungsimpfung im Abstand von 4 Wochen zur ersten Impfung, sowie nach einem Jahr erforderlich. Das Immunsystem muss sozusagen noch mal an die Krankheitserreger erinnert werden, um einen zum Teil bis zu drei Jahre (je nach Impfstoff und Erkrankung) wirksamen Schutz aufzubauen.

Der Impfausweis für Hunde

Die erste Impfung bekommt der Welpe häufig schon beim Züchter, bevor er in sein neues Zuhause einzieht. Meist wird diese Impfung zusammen mit der Kennzeichnung mit dem Mikrochip durchgeführt. Die zwölfstellige individuelle Nummer des Chips wird in den Impfpass eingetragen, den es genau wie beim Menschen auch für Hunde gibt.

Seit Dezember 2014 gibt es den neuen EU-Heimtierausweis, in den die Impfungen von dem berechtigten Tierarzt eingetragen und mit einer speziellen Folie fälschungssicher versiegelt werden. In diesem Heimtierausweis müssen neben der Chipnummer und Daten des Hundes auch Name und Anschrift des Tierhalters eingetragen werden. Der EU-Heimtierausweis ist nach einer EU-Verordnung für alle Hunde Pflicht, die mit ihren Besitzern verreisen wollen.

Impfempfehlungen der Impfkommission

Impfung Hund EmpfehlungGenau wie für den Menschen gibt es auch für Hunde und Katzen eine Expertenrunde, die Impfempfehlungen ausspricht, die ständige Impfkommission StIKo vet. Empfohlen wird einheitlich, dass jeder Hund gegen solche Erkrankungen immer einen ausreichenden Impfschutz aufweisen sollte, die entweder für den Hund selbst tödlich sind (Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose, Leptospirose), oder auf den Menschen übertragen werden können (z.B. Tollwut).

Andere Impfungen wie z.B. gegen Borreliose, Zwingerhusten, canines Herpesvirus, Bordetella bronchiseptica, Babesiose und viele andere können im Einzelfall notwendig sein. Zum Beispiel in Regionen, in denen eine hohe Anzahl an Erkrankungen auftritt (Endemiegebieten), oder sie werden zum Teil bei Ausstellungen oder in Hundepensionen gefordert. Welche Impfungen für Ihr Tier sinnvoll und wichtig sind, sollte immer Ihr behandelnder Tierarzt entscheiden.

Gesetzliche Regelungen zu Tollwut

Gesetzlich vorgeschrieben ist es in Deutschland nicht, seinen Hund zu impfen. Einzig zum Thema Tollwut gibt es eine Verordnung, in der gesetzlich vorgeschrieben ist, dass gegen Tollwut nur mit Totimpfstoffen geimpft werden darf und dass die Impfung sowie jegliche Heilversuche an Tollwut-verdächtigen Tieren absolut verboten sind.

Tötung infizierter Hunde bei Tollwut-Kontakt

Im Falle eines Tollwut-Ausbruches oder Verdachtes (auch bei Wildtieren!) dürfen die in dem Gebiet lebenden Hunde keinen Kontakt mehr zu anderen Tieren oder Menschen haben. Die Behörde kann dann die Tötung aller Hunde anordnen, die eventuell Kontakt zu dem erkrankten Tier hatten und keinen gültigen Tollwut-Impfschutz aufweisen.

Es wird Personen geben, die jetzt müde lächeln und abwinken, weil Deutschland doch schon seit Jahren offiziell als Tollwut-freies Land gilt. Das verleitet viele dazu sich in einer trügerischen Sicherheit zu wiegen. Tollwut, genau wie andere Krankheiten, kennt keine Staatsgrenzen und leider gibt es auch im Jahr 2015 noch Tollwutfälle bei Haustieren zum Beispiel in Polen, Russland, Türkei oder Ukraine (Quelle: www.who-rabies-bulletin.org/Queries/Trend.aspx).

Risiko von Tollwut-Infektion bleibt bestehen

Gerade in der heutigen Zeit, in der es fast schon modern ist, sich einen Hund aus dem Ausland importieren zu lassen, den man von der Straße oder aus einer Tötungsstation gerettet hat, ist die Gefahr, dass tödliche Krankheiten wie Tollwut oder Staupe wieder nach Deutschland eingeschleppt werden, größer denn je. In Deutschland gab es im Jahr 2008 sowie 2010 je einen an Tollwut erkrankten Hund, die aus Kroatien, bzw. Bosnien nach Deutschland importiert wurden. Die einzige Möglichkeit, seinen Hund vor Tollwut zu schützen, ist, ihn impfen zu lassen. Tollwut ist nicht nur unheilbar und verläuft immer tödlich, sie ist auch auf den Menschen übertragbar und auch für den Menschen tödlich.

Impfung und Nebenwirkungen

Eine heutzutage leider verbreitete Annahme ist, dass Impfungen mehr schaden als nützen würden. Diese Einstellung ist sehr bedauerlich, da es trotz der Fortschritte in der Medizin immer noch nicht möglich ist, alle Erkrankungen zu heilen.

Impfung nur bei schlimmen Erkrankungen

Impfungen schützen gerade vor solchen Krankheiten, die entweder unheilbar sind, tödlich verlaufen oder bleibende Schäden hinterlassen. Dass viele dieser Erkrankungen, gegen die geimpft wird, nicht mehr so häufig oder zum Teil sogar in Deutschland gar nicht mehr vorkommen, liegt einzig und allein daran, dass bis vor wenigen Jahren noch viel geimpft wurde. Die Zahl derer, die regelmäßige Impfungen ernst nehmen, nimmt jedoch leider immer weiter ab. Das führt dazu, dass Krankheiten, die kaum noch auftraten, wieder vermehrt zunehmen.

Seltene Nebenwirkungen

Viele fürchten sich vor Nebenwirkungen einer Impfung. Erfahrungsgemäß ist es zwar möglich, dass Nebenwirkungen auftreten, diese sind aber äußerst selten und in der Regel harmlos. Es kann beispielsweise zu kurz andauerndem (weniger als ein Tag) Erbrechen oder Durchfall als Reaktion auf die Impfung kommen. Auch eine kurzfristige Erhöhung der Körpertemperatur (Fieber) ist möglich. Im Bereich der Injektionsstelle können Schwellungen auftreten, die aber in der Regel nach wenigen Tagen bis Wochen wieder von alleine verschwinden.

Die bei Katzen selten vorkommenden Impf-assoziierten Tumoren sind beim Hund in der Form nicht bekannt. Beim Hund kann es in extrem seltenen, wenigen Ausnahmefällen zu Immunerkrankungen kommen.

Schützen oder sterben lassen?

Der Nutzen einer Impfung, nämlich der Schutz vor einer tödlichen Krankheit, überwiegt jedoch diese selten vorkommenden und meist harmlosen Nebenwirkungen. Jeder Besitzer muss selbst entscheiden, ob er seinen Hund impfen lässt oder nicht. Es gibt kein Gesetz, das die Impfung vorschreibt. Wer sein Tier liebt, sollte jedoch alles dafür tun, dass es gesund und geschützt aufwächst und leben kann.

Welche Kosten entstehen bei der Impfung des Hundes?

Die Impfung wird genau wie jede andere tierärztliche Leistung nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) abgerechnet. Die Applikation des Impfstoffes wird mit 4,01 € (Einfacher Satz) bis 12,03 € (Dreifacher Satz) vorgeschrieben. Nach § 40 Abs. 3 Tierimpfstoff-Verordnung ist jedoch immer mindestens eine allgemeine Untersuchung des Einzeltieres notwendig, die nach GOT zwischen 12,03 € und 36,09 € liegt. Dazu kommen der Preis für den Impfstoff (Medikamentenpreis, für die Impfungen gegen Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose, Leptospirose, Tollwut ca. 10 – 15 €) und die Umsatzsteuer (19%). Daraus ergibt sich für die Impfung ein Preis zwischen 31 und 93 €.

Impfung und Welpenschule

Wenn Sie sich einen Welpen aussuchen, ist dieser, sobald er zu Ihnen nach Hause darf, in der Regel bereits das erste Mal beim Züchter geimpft worden. Dies ist zumindest bei seriösen Züchtern der Fall. Meist wird Ihnen auch nahe gelegt, mit Ihrem Welpen eine Hundeschule, bzw. eine Welpenschule zu besuchen. Dies ist für die Entwicklung Ihres kleinen Lieblings absolut empfehlenswert. Wenn Sie Ihren Welpen für eine solche Welpenschule anmelden, wird jede seriöse Hundeschule, bzw. Hundeverein auf einen gültigen und ausreichenden Impfschutz bestehen und sich den Impfausweis zeigen lassen.

Die meisten Hundeschulen bieten den Welpenkurs ab der 8 Lebenswoche an. Zu diesem Zeitpunkt sollte Ihr Welpe bereits die erste Impfung bekommen haben (siehe Abschnitt: Impfempfehlungen der Impfkommission). Bis die Impfung jedoch ihre Wirkung entfaltet, dauert es bis zu drei Wochen. Die von der Mutter auf den Welpen übertragenen Antikörper werden immer weiter abgebaut. Das heißt, dass sich der Welpe zu diesem Zeitpunkt in einer besonders anfälligen Phase, in der sogenannten immunologischen Lücke, befindet.

Nichts desto trotz ist aber gerade in diesem jungen Alter der Besuch einer Welpenschule besonders empfehlenswert. Welpen sind in der 3. bis ca 14. Lebenswoche in der Lage, am Besten und Nachhaltigsten zu lernen. Was der Welpe jetzt lernt, prägt ihn nachhaltig für sein ganzes Leben. Gerade für Stadthunde, an die hohe Anforderungen an soziale Kompetenz und Grundgehorsam gestellt werden, ist es extrem wichtig in dieser Zeit andere Hunde anderer Rassen kennenzulernen.

Da nun aber der Schutz erst ca. drei Wochen nach der ersten Impfung aufgebaut ist, ist es besonders wichtig, dass alle anderen Hunde auch geimpft sind. So ist das Risiko der Ansteckung praktisch gleich null.

Überall da, wo viele Hunde aufeinandertreffen (auch auf beliebten Hundewiesen und –wegen) ist die Gefahr, dass sich Krankheiten rasch verbreiten, besonders groß. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie bei Ihrem Welpen unbedingt auf einen ausreichenden Impfschutz achten. Das beinhaltet auch die Wiederholungsimpfung 4 Wochen nach der ersten Impfung, auf die Sie Ihr Züchter sicherlich hingewiesen hat. Gönnen Sie Ihrem Welpen am Tag der Impfung etwas Ruhe. Ihr Welpe sollte am Tag der Impfung möglichst wenig Stress und Action haben. Ihr Tierarzt wird Sie bei der Impfung auch darauf hinweisen.

Schlusswort

Immer öfter begegnen uns Tierärzten kritische Stimmen und Halter, die uns vorwerfen, wir würden nur Impfen, um Geld zu verdienen. Ich möchte an dieser Stelle noch mal kurz anmerken, dass es meinen Kollegen und mir in erster Linie darum geht, Ihren Liebling so gut wie möglich vor Krankheiten zu schützen und seine Gesundheit zu wahren. Wenn Sie erst mal einen kleinen Hundewelpen pures Blut ausscheiden sehen, weil er an Parvovirose erkrankt ist, und miterlebt haben, wie sehr so ein kleiner Wurm leidet und wie wenig man ihm helfen kann, würden Sie sicherlich meine Meinung teilen, dass eine Impfung, ein kleiner Pieks, das geringere Übel ist. Wenn Sie Ihren Hund nicht impfen lassen, gefährden Sie nicht nur ihn selbst, sondern auch alle anderen Hunde, mit denen er direkten Kontakt hat, und alle, die auf denselben Wegen Gassi gehen wie Sie. In Anbetracht der geringen und seltenen Nebenwirkungen halte ich persönlich es schon fast für grob fahrlässig, wenn sich Besitzer gegen die Impfung entscheiden. Leider kann der Hund nicht für sich selbst entscheiden. Auch bei den Impfungen gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Aber gerade gegen die Erkrankungen, die tödlich enden können, sollten Sie Ihr Tier impfen lassen. Ihr Tierarzt berät Sie sicher gerne.

Links

Tollwut - Statistik der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO)

Kosten der Impfung nach der GOT

Ständige Impfkommission vet (StIKo vet.)

Informationen zum Autoren
Karin Lucas
Name
Karin Lucas
Tierärztin
Über mich
Ich bin seit 2009 in der Kleintiermedizin tätig. Zurzeit mache ich meine Doktorarbeit an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Mein Motto
Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber nicht erstrebenswert

Tätigkeiten
Tierärztin und Doktorandin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover

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