entlaufener Hund

Nach Chip, Tätowierung oder Adressanhänger haben Hunde- und Katzenhalter nun eine weitere Möglichkeit, ihr Haustier zu kennzeichnen: Ein Anhänger, der einen QR-Code trägt, ermöglicht es, das entlaufene Tier jederzeit mithilfe eines Smartphones zu identifizieren und den Halter direkt zu kontaktieren. 

Identifizierung entlaufener Tiere

Kennzeichnung mittels Mikrochip

Die Kennzeichnung eines Tieres mittels Transponder ist die sicherste Form, es langfristig und eindeutig zu identifizieren. Der reiskorngroße Mikrochip wird den Tieren vom Tierarzt mittels einer Kanüle in wenigen Sekunden an der linken Halsseite unter die Haut gesetzt. Der Vorgang tut kaum mehr weh als der regelmäßige Impfpiekser. Mit einem Chiplesegerät, das nahe des Transponders wenige Zentimeter über die Haut gehalten wird, kann die Chipnummer schnell und einfach kontrolliert werden. Auf Reisen innerhalb der EU müssen neben Hunden auch Katzen mit einem Mikrochip gekennzeichnet sein. Bei Grenzkontrollen wird der Chip ausgelesen und mit der Chipnummer im EU-Heimtierausweis verglichen. In Niedersachsen ist die Kennzeichnung von Hunden mittels Mikrochip gesetzlich vorgeschrieben.

Die Identifikation mittels Mikrochip hat etliche Vorteile, weil ein Chip nach ISO-Standards international gültig ist, er fälschungssicher ist und ein Tier eindeutig identifiziert. Der Chip kann jedoch mittels eines Chiplesegeräts ausgelesen werden. Solche Geräte kosten durchschnittlich 180 Euro und sind in der Regel nicht zur Hand, wenn einem auf dem Spaziergang ein entlaufenes Tier entgegenkommt.

Tätowierung

Eine Tätowierung erfolgt in der Regel im Ohr und findet, da sie schmerzhaft ist, in Narkose statt. Weil die Tätowierung verblassen kann, manipulierbar ist und zudem viele Tätowierungsnummern mehrfach vergeben werden, gilt die Kennzeichnung mittels Tätowierung nicht als eindeutig.

Adressanhänger

Adressanhänger oder Marken mit eingravierter Telefonnummer am Halsband werden von vielen Haltern gerne zur Kennzeichnung von Hunden und Katzen eingesetzt. Sie bieten den Vorteil, dass ein Finder in direkten Kontakt mit dem Tierhalter treten kann.

Die Suche nach entlaufenen Tieren im Internet

TASSO e.V.

Kostenlose Haustierregister, z.B. TASSO, bieten Tierbesitzern die Möglichkeit, ihr Tier kostenlos zu registrieren. Meldet der Finder das entlaufene Tier mit Chip- oder Tätowierungsnummer an das Haustierregister, kann Dieses das Tier dem Halter zuordnen und der Halter erfährt, wo sein Tier gefunden wurde. Eine Chipnummer muss zuvor beim Tierarzt, im Tierheim oder von der Polizei mittels eines Chiplesegeräts ausgelesen werden, sofern kein eigenes Gerät zur Verfügung steht. Anschließend kann auf der Internetseite von TASSO nach der Transponder-Nummer gesucht werden.

TASSO bietet Mitgliedern eigene Plaketten an, die am Halsband des Tieres befestigt werden können und die Registrierungsnummer des Tieres bei TASSO enthält. Damit kann über www.tasso.de auch ohne Chiplesegerät Kontakt zum Tierbesitzer aufgenommen werden.

Jeglicher Kontakt zu Tierbesitzern erfolgt hierbei stets über TASSO.

Petmaxx.com 

Wer ein entlaufenes Tier aus irgendwelchen Gründen im Ausland vermutet wird, kann hier über die internationale Suchmaschine Petmaxx.com anhand der Transponder-Nummer nach seinem entlaufenem Tier suchen.

Kennzeichnung mittels QR-Code

Entlaufene Tiere schneller wiederfinden

Eine alltagstaugliche Kennzeichnung bietet die Firma ScanIt/Petbook. Ein QR-Tag auf einem Anhänger wird mit einem speziellen und einzigartigen Code ausgestattet, der durch handelsübliche Smartphones mit Kamerafunktion ausgelesen werden kann. Diese Anhänger können am Halsband befestigt werden. Die im Code hinterlegten Daten vermitteln dem Finder eines entlaufenen Tieres über einen Internetdienst im Handumdrehen die Kontaktdaten des Tierhalters.

Nach dem Kauf eines Anhängers kann der Kunde den auf dem Anhänger befindlichen QR-Tag auf seinen Namen registrieren. Die von ihm angegebenen Daten werden dann dem QR-Code zugeordnet. Hierbei kann der Kunde selbst entscheiden, welche Daten er von sich zur Verfügung stellt und welche davon dem Finder angezeigt werden.

Bei Einscannen des QR-Codes mittels Smartphone werden dem Finder eines entlaufenen Tieres die vom Halter hinterlegten Daten angezeigt. Der Halter bekommt gleichzeitig eine Benachrichtigung per E-Mail, in welcher der Standort angegeben ist, von dem aus der QR-Code eingescannt wurde. Halter und Finder können nun direkt in Kontakt treten und das entlaufene Tier innerhalb kürzester Zeit übergeben.

Der QR-Tag und die Registrierung des Tiers auf der Seite kosten 24,99€. Die Nutzung des Internetdienstes zur Suche nach entlaufenen Tieren ist kostenlos. Es bleibt abzuwarten, ob sich QR-Codes für das Tier durchsetzen werden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite von ScanIT oder unter dem Namen Petbook unter petbook.ag. Außerdem ist auf Facebook ein informatives Video: Petbook auf Facebook (mit Video).

Fazit

Sicherlich kann durch die Kennzeichnung eines Tiers mittels QR-Code und die Bereitstellung von Kontaktdaten über das Internet ein wesentlich schnellerer Kontakt zwischen Finder und Halter zustande kommen, als bei den kostenfreien Diensten. Es ist eine zeitgemäße Lösung für ein zeitloses Problem. Ob die hohen Kosten für QR-Tag und die Nutzung des Dienstes gerechtfertigt sind, können wir nicht beurteilen. Allerdings ersetzt die Kennzeichnung via QR-Code nicht das Chippen und eine Registrierung der Transpondernummer in den etablierten Suchdiensten sollte in jedem Fall erfolgen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels wirkt auch die Internetpräsens des Anbieters aufgrund der unterschiedlichen Bezeichnungen (ScanIt, ScanIt24, Petbook), des inkonsistenten Designs und der Darstellungsschwierigkeiten der Internetpräsens eher abschreckend. Ein Kontakt zum Anbieter war nicht möglich.

Wir sind gespannt, ob sich diese Idee durchsetzt.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit den QR-Tags für das Tier gesammelt? Wir freuen uns auf Ihr Feedback. Schreiben Sie uns einen Kommentar.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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