Kaninchen an der Leine

Viele Kaninchen und Meerschweinchen ziehen in der warmen Jahreszeit in ein Außengehege. Bei langsamer Gewöhnung können viele Rassen aber auch ganzjährig draußen leben. In jedem Fall müssen die Tiere entsprechend auf die Außenhaltung vorbereitet werden.

Halbjährige oder ganzjährige Außenhaltung?

Sobald es keinen Bodenfrost mehr gibt, etwa ab Mai, können sowohl Kaninchen als auch Meerschweinchen rausgesetzt werden. Bleiben Sie den ganzen Sommer und Herbst über draußen, entwickeln sie zur kalten Jahreszeit hin ein dickes Winterfell, so dass viele von ihnen auch den Winter über draußen bleiben können. Problematisch ist die ganzjährige Außenhaltung bei Kaninchen, denen das schützende Unterfell fehlt (z.B. Rexkaninchen u.a. Rassen ohne schützendes Deckfell, Langhaarrassen wie Angora oder Löwenköpfchen), sowie bei jungen, trächtigen, kranken oder geschwächten Tieren.

langsame Gewöhnung an die Außenhaltung

Ob nun halb- oder ganzjährig – an die Außenhaltung muss das Tier zunächst gewöhnt werden.

Nahrungsumstellung

Der empfindliche Verdauungstrakt muss langsam an das veränderte Nahrungsangebot gewöhnt werden. „Weiden“ Sie die Kaninchen und die Meerschweinchen daher vorher an, indem Sie ihnen vor dem Raussetzen bereits zunehmende Mengen an frischem Grünfutter anbieten. Reduzieren Sie dabei den Rest des Futters auf die Menge, die die Tiere dann auch draußen bekommen.

Gesundheitsvorsorge

Ebenfalls wichtig: bevor Sie Kaninchen nach draußen lassen, sollten diese gegen Myxomatose und RHD geimpft werden! Beides sind virale Erkrankungen, welche durch Insekten übertragen werden können und mitunter tödlich verlaufen. Meerschweinchen müssen nicht geimpft werden.

Vorbereitung des Außengeheges

Positionieren Sie das Außengehege so, dass den Kaninchen und den Meerschweinchen Sonnen- und Schattenplätze zur Verfügung stehen. Ebenso wichtig sind witterungssichere Schutzhütten, die bei ganzjähriger Außenhaltung entsprechend isoliert sein müssen. Sollte es im Sommer sehr heiß werden, bieten Sie den Tieren zusätzliche kühle Plätze, z.B. durch Kacheln.

Damit sich die Tiere nicht den Weg nach draußen bahnen können und Fressfeinde sich nicht in das Gehege eingraben können, muss das Gehege „buddelsicher“ sein. Der Zaun sollte zudem so stabil sein, dass Fressfeinde ihn nicht durchbeißen können und maximal 2cm Maschengröße besitzen. Vergessen Sie auch nicht die Abschirmung nach oben.

Tägliche Kontrollen

Denken Sie daran, die Tiere auch draußen täglich durch zu checken! So können Erkrankungen und Verletzungen rechtzeitig entdeckt und behoben werden. Ein häufiges Problem im Sommer ist der Madenbefall (Myiasis): Fliegen legen in der Anogenitalregion oder an verletzten Hautstellen ihre Eier ab. Die Maden fressen sich nach dem Schlupf in die Haut und führen zu Verletzungen, Infektionen und Schwächung, bis hin zum Tod des Tieres. Besonders geschwächte Tieren, langhaarige Rassen und Tiere mit kotverklebtem After sind gefährdet.

Selbstverständlich sollten die Tiere auch im Außengehege zusammen mit Artgenossen gehalten werden.

Die Außenhaltung stellt die natürlichste Form der Kaninchen- oder Meerschweinchenhaltung dar und ist daher sehr zu empfehlen. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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