Vergesellschaftung von Kaninchen

Bei der Vergesellschaftung von Kaninchen ist von Harmonie auf den ersten Blick bis zu ernsthaften Auseinandersetzungen alles möglich. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, die Lebensgenossen bereits im Alter von 6-12 Wochen zusammen zu führen. Nicht immer ist dies möglich. - Was ist bei einer Zusammenführung zu beachten?

Haltung in Paaren

Pärchenhaltung

Die Haltung eines gegengeschlechtlichen Pärchens ist in der Regel am wenigsten problematisch. Ist kein Nachwuchs erwünscht, muss eines der Tiere zuvor kastriert werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich sogar, beide Tiere zu kastrieren, denn dadurch ersparen Sie den Tieren unnötigen Stress. ACHTUNG wenn nur das Männchen kastriert wird: Auch nach der Kastration bleiben die Böcke noch bis zu sechs Wochen zeugungsfähig!

Die gemeinsame Haltung gleichgeschlechtlicher, unkastrierter Tiere führt aufgrund der hormonellen Einflüsse ab der Geschlechtsreife häufig zu aggressiven Auseinandersetzungen – dies gilt für Männchen ebenso wie für Weibchen. Für die Gruppenhaltung bieten sich daher mehrere Zippen zusammen mit einem oder mehreren kastrierten Böcken an.

Gruppenhaltung

In einer Gruppe sollten die Tiere etwa die gleiche Größe besitzen, da für deutlich kleinere Tiere erhöhtes Verletzungsrisiko besteht. Mehr noch als die Größe sind jedoch Charakter und Temperament der Tiere zu beachten. So lässt sich ein eher offensiv-aggressives Tier leichter mit einem eher unterwürfigen Tier vergesellschaften, als mit einem Tier, welches ebenfalls zu aggressivem Verhalten neigt. In Paarhaltung sollten die Tiere zudem etwa gleichen Alters sein.

Vorsichtiges Kennenlernen

Neutraler Ort

Kaninchen verteidigen ihr Territorium vor fremden Eindringlingen. Das Kennenlernen der neuen Partner findet daher an einem neutralen Ort statt. An diesem, beiden Seiten bis dahin unbekannten Ort, bestehen keine territorialen Ansprüche, die das Akzeptieren des Neulings erschweren. Als neutralen Ort können Sie ein neues Gehege wählen, oder einen abgesteckten Ort in der Wohnung. Für zwei Kaninchen benötigen Sie mindestens 4-6qm Platz. Die Tiere brauchen genügend Platz, um ihre Individualdistanz wahren zu können, sich bei Bedarf zurückziehen und Sichtkontakt vermeiden zu können.

Rückzugsmöglichkeiten

Können sich die Tiere nicht aus dem Weg gehen, bleibt Ihnen nur der Kampf, um den „Eindringling“ loszuwerden. Bieten Sie den Tieren daher neben Sichtschutz (z.B. durch große Äste auf dem Boden) mehrere Rückzugsmöglichkeiten mit je einem Vorder- und einem Hinterausgang. Vermeiden Sie Engstellen, an denen eines der Tiere in die Ecke getrieben werden könnte. Auch ein reichhaltiges Futter- und Wasserangebot verhindert Streitigkeiten und erleichtert so die Eingewöhnung. Ist alles fertig vorbereitet, setzen Sie die Kaninchen gleichzeitig an diesen Ort.

Langsame Annäherung

In einigen Fällen kann es hilfreich sein, die Käfige der Tiere vor diesem Kennenlernen bereits nebeneinander zu stellen. So können sich die Tiere, deren wichtigster Kommunikationskanal der Geruch ist, bereits an den Geruch des neuen Partners gewöhnen. Bei einigen Kaninchen kann dieses Vorgehen aber auch Frustration und Aggression gegen den nicht erreichbaren neuen Nachbarn erzeugen. Ist dies bei Ihren Kaninchen anzunehmen oder tritt dies wider Erwarten ein, entfernen Sie die Käfige wieder voneinander. Über das weitere Vorgehen (Tiere in komplett getrennten Räumen halten, oder Käfige in kleinen Schritten, z.B. während der Fütterung, wieder aneinander rücken) ist je nach Einzelfall zu entscheiden.

Phase gegenseitiger Attacken

Leichte Attacken in Form von gegenseitigem Kratzen, Jagen, Bespringen oder dem Ausreißen von Fellbüscheln sind zu Beginn des Kennenlernens normal. Auf diese Weise klären die Kaninchen die Hierarchie in der neuen Gruppe. Diese Phase der gegenseitigen Attacken kann über mehrere Stunden und Tage gezeigt werden. Beobachten Sie die Kaninchen während dieser Phase, greifen Sie aber nur ein, falls die Situation tatsächlich zu eskalieren droht! Nach einer abgebrochenen Vergesellschaftung hat ein erneuter Versuch oft nur geringe Erfolgschancen. Nach spätestens drei Wochen sollte die Hierarchie geklärt sein. Erst wenn diese Phase beendet ist und die Tiere sich einen Tag lang gut verstehen, friedlich nebeneinander fressen oder sich gegenseitig putzen, werden Sie in Ihren eigentlichen Käfig gesetzt. Hier kann es erneut zu Auseinandersetzungen kommen, die Sie weiterhin unter Beobachtung halten sollten.

Das neue Zuhause

Sollen die Kaninchen nach dem Kennenlernen in das alte Gehege gesetzt werden, reinigen Sie dieses zuvor gründlich. Erneuern Sie die Einstreu und wischen Sie alle Oberflächen mit Essigwasser ab, um alte Duftmarkierungen zu entfernen. Verändern Sie auch die Art der Einrichtung. Bieten Sie mindestens ein Häuschen pro Tier an. Durch dicke Äste auf dem Boden und eine Sandwanne bieten Sie den Tieren Beschäftigungs- und Erkundungsmöglichkeiten, sowie wichtigen Sichtschutz. Bieten Sie den Tieren mehrere Futterplätze und Heuraufen an. Auch hier brauchen die Tiere genügend Platz, um sich zu bewegen, sich zurückzuziehen und bei Bedarf auch aus den Augen gehen zu können.

Der falsche Partner

Hält die Phase der Auseinandersetzungen länger an als drei Wochen, oder kommt es zu ernsthaften Verletzungen, sollten die Tiere wieder getrennt werden. Auch unter Tieren kann es vorkommen, dass sich zwei Individuen einfach nicht leiden mögen. Nichtsdestotrotz bleiben Kaninchen Gruppentiere, die einen artgleichen Partner benötigen! Nach einer zweiwöchigen Pause kann ein erneuter Versuch mit einem anderen Kaninchen unternommen werden.

© Dunia Thiesen-Moussa

Informationen zum Autoren
Dunia Thiesen-Moussa
Name
Dunia Thiesen-Moussa
Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie
Über mich
Ich leite die verhaltensmedizinische Sprechstunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover und betreibe die Tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten und die Hundeschule Kleintierverhalten.

Mein Motto
Wissen schützt Tiere

Tätigkeiten
Verhaltenstherapie, Hundetraining, Referententätigkeiten, Gutachterin in Wesenstests, Prüferin des D.O.Q.-Tests 2.0, Prüferin der Sachkundeprüfung nach §3 NHundG, Mitglied der Prüfungskommission zur Zertifizierung von Hundetrainern durch die Tierärztekammer Niedersachsen, Prüferin der Sachkundeprüfung zur Erlaubnispflicht nach §11 TierSchG

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